Der Weltbodentag am 5. Dezember stellt ein nach wie vor brennendes Thema in den Mittelpunkt der öffentlichen Betrachtungen, nämlich die Bodenversiegelung. Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig stellt in diesem Zusammenhang ein neues Datenmodell zur aktuellen Flächeninanspruchnahme und Versiegelung vor und der Vorstandsvorsitzende der Österreichischen Hagelversicherung, Kurt Weinberger, präsentiert eine aktuelle MARKET-Umfrage, die eine alarmierende Stimmung in der Bevölkerung wegen des rasanten Bodenverbrauchs zeigt.

 

 

Totschnig: Neue, detaillierte und verlässliche Daten
Gesicherte Daten über das tatsächliche Ausmaß der Flächeninanspruchnahme für Siedlung, Verkehr, Freizeit, Erholung und Entsorgung in Österreich sind ab sofort verfügbar. „Beim Schutz des Bodens dürfen wir keine Zeit verlieren. Deshalb freut es mich, dass die Mitglieder der Österreichischen Raumordnungskonferenz (ÖROK) bereits jetzt eine wesentliche Maßnahme aus dem Aktionsplan der Bodenstrategie umsetzen. Ein noch nie dagewesenes Modell zur Beobachtung des Bodenverbrauchs bildet nun die Grundlage für das notwendige Monitoring“, erklärt der Bundesminister.

 

 

Die nun vorliegenden Daten zum Stand der Flächeninanspruchnahme und Versiegelung wurden für die Raumordnungskonferenz mittels eines neuen Datenmodells vom Umweltbundesamt berechnet. Mit Stand 2022 wurden rund 6,7% der Landesfläche in Anspruch genommen, das entspricht rund 17% des Dauersiedlungsraums. Damit liegt Österreich bei der Flächeninanspruchnahme im europäischen Mittelfeld. „Nichtsdestotrotz ist das noch viel zu hoch. Wir sind es den kommenden Generationen schuldig, unseren Bodenverbrauch zu reduzieren“, so Totschnig.

 

 

Der in Anspruch genommene Flächenanteil setzt sich zu 30,4% aus Verkehrsflächen, 61,2% aus Siedlungsflächen, 5,8% aus Freizeit- und Erholungsflächen sowie 2,6% aus Ver- und Entsorgungsflächen zusammen.

Zur Flächeninanspruchnahme zählen beispielsweise Parks, Gärten, Gebäude, Verkehrsflächen sowie Flächen für die Ver- und Entsorgung. Werden Flächen durchgehend mit einer wasser- und luftundurchlässigen Schicht abgedeckt, spricht man von Versiegelung. Der Anteil an versiegelten Flächen an der Flächeninanspruchnahme liegt bei 52%. Damit sind rund 3,5% der Fläche Österreichs versiegelt, das entspricht rund 9% des Dauersiedlungsraums.

26 Mio. Euro für die Reaktivierung der Ortskerne
Böden sind die Grundlage, um Lebensmittel produzieren zu können. „Deshalb ist mir der Kampf gegen den Bodenverbrauch ein wesentliches Anliegen. Zahlreiche leerstehende Gebäude in unseren Orts- und Stadtkernen werden nicht genutzt. Deshalb stelle ich für die Reaktivierung von Leerständen und zur Aufwertung von lebendigen Orts- und Stadtkernen 26 Mio. Euro zur Verfügung. Ich bin überzeugt: Wenn wir leerstehende Gebäude für Wohn-, Kultur- oder Gewerbezwecke besser nutzen, erhöhen wir die Lebensqualität in unseren Regionen und reduzieren gleichzeitig den Bodenverbrauch“, so Totschnig.

 

 

Hagelversicherung: MARKET-Umfrage zeigt verschlechterte Stimmung
Die Stimmung hat sich in den letzten zehn Jahren um 15 Prozent verschlechtert: vier von fünf Österreicherinnen und Österreichern sehen eine Verschlechterung des Landschaftsbilds durch Bautätigkeiten. Mit 11,5 Hektar pro Tag liegt der Bodenverbrauch immer noch um das Vierfache über dem im aktuellen Regierungsprogramm verankerten “Nachhaltigkeitsziel” des Bundes von 2,5 Hektar pro Tag.

„Eine Mehrheit in der Bevölkerung wünscht sich verbindlichen Bodenschutz, hat sich doch das Landschaftsbild für knapp 80 Prozent der Befragten verschlechtert, mit einer deutlichen Zunahme in den letzten zehn Jahren. Daher fordern auch 82 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher eine verbindliche Begrenzung des Bodenverbrauchs mit 2,5 Hektar pro Tag“, so der Vorstandsvorsitzende der Österreichischen Hagelversicherung, Kurt Weinberger, in einer Aussendung zu einer aktuellen MARKET-Umfrage anlässlich des Weltbodentages am 5. Dezember.

 

Machen die Bodenversiegelung am Weltbodentag zum Thema: Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig, Hagel-Vorstandsvorsitzender Kurt Weinberger

 

Weinberger: Bodenverbrauch gefährdet unsere Zukunft
Die Umfrage zeigt, dass die Bevölkerung wegen des enormen Bodenverbrauchs alarmiert ist. Der Klimawandel mit Wetterextremen, der Verlust von Lebensräumen, die Verschandelung des Landschaftsbilds, der Schaden für den Tourismus und nicht zuletzt die Gefährdung der Lebensmittelversorgung spielen dabei die größte Rolle und sind die dominanten Sorgen im Problemfeld Bodenverbrauch. Damit spiegelt sich das wider, wovor der agrarische Spezialversicherer seit Jahren warnt: „Die nicht vermehrbare Ressource Boden schützt vor Überschwemmungen und sichert die Lebensmittelproduktion. Dennoch werden Äcker und Wiesen täglich durch grob fahrlässiges Verhalten wegen Verbauung weniger. Wir sind beim Bodenverbrauch z. B. mit der höchsten Anzahl an Supermärkten pro 100.000 Einwohner im negativen Sinn Europameister. In den letzten 20 Jahren wurden 130.000 Hektar beste Agrarflächen, davon allein 72.000 Hektar Äcker verbaut, die 480.000 Österreicherinnen und Österreicher ernähren könnten. Ohne Äcker kein Essen. Wir können vom Beton nicht abbeißen“, mahnt Weinberger.

Beutelmeyer: Wahlvorteile für Partei bei Aufgreifen des Themas Bodenverbrauch
MARKET-Chef Dr. Werner Beutelmeyer sieht für das Thema Chancen für die nächsten Wahlen: „Die Umfrage hat klar ergeben, dass sich die Bevölkerung einen stärkeren Einsatz der Politik gegen die Zerstörung der Böden durch Verbauung erwartet. Besonders gefordert sind hier zu annähernd gleichen Teilen die Bundes- (72 Prozent) bzw. Landespolitik (71 Prozent).“ Und weiter: „Der Bodenverbrauch bewegt die Bevölkerung. So sehen 88 Prozent eine Zunahme von Naturkatastrophen, 85 Prozent kritisieren die Verschandelung des Landschaftsbilds, 84 Prozent befürchten das Aussterben von Lebewesen. Und drei von vier Befragten sehen die Lebensmittelversorgung gefährdet“, fasst Beutelmeyer die Ergebnisse zusammen und verweist auch auf die Wichtigkeit des Themas für die politischen Parteien.

 

Fotos: Hagelversicherung, ÖROK, Shutterstock