Auszeichnungen im VAÖ

Der VAÖ ehrt journalistische Spitzenleistungen mit dem „Eduard-Hartmann-Preis“, der seit 1967 jährlich je einen Agrarjournalisten und einen Journalisten aus dem Bereich allgemeine Medien auszeichnet. Außerdem vergibt der VAÖ ausschließlich an seine Mitglieder seit 1995 die „Josef-Steininger-Urkunde“.

Der Eduard-Hartmann Preis

Eduard HartmannDer VAÖ beschloss in seiner Generalversammlung vom 17. Mai 1967 in Wien unter Präsident Dr. Erhard Bobersky die Schaffung eines Eduard-Hartmann-Preises für Agrarpublizistik. Dipl.-Ing. Eduard Hartmann war u. a. Direktor des NÖ Bauernbundes (seit l946), Abgeordneter zum Nationalrat, von l959 bis l964 Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft und dann, bis zu seinem Tod am 14.Oktober l966, Landeshauptmann von Niederösterreich. Als Landwirtschaftsminister setzte er das Landwirtschaftsgesetz durch und schuf damit die notwendige Voraussetzung für Bestand und Konkurrenzfähigkeit der österreichischen Land- und Forstwirtschaft in einem immer härter werdenden Konkurrenzkampf.

Über die Schaffung dieses Preises heißt es: „Die außerordentliche Generalversammlung des Verbandes der Agrarjournalisten in Österreich (VAÖ) … beschloss am 17. Mai 1967 … einen, bis auf weiteres alle Jahre zu vergebenden Eduard-Hartmann-Preis für hervorragende journalistische Leistungen, die der Verständigung und Zusammenarbeit zwischen der Land- und Forstwirtschaft einerseits und den anderen Wirtschaftszweigen andererseits bzw. den Interessen der Land- und Forstwirtschaft dienen.“ Der Vorschlag zu diesem Preis kam vom Präsidenten des „VAÖ“, Dr. Erhard Bobersky, Chefredakteur der Zeitschrift „Die Genossenschaft“, der selbst lange Zeit Mitarbeiter von Eduard Hartmann in dessen Zeit als Generalanwalt des Allgemeinen Verbandes für das landwirtschaftliche Genossenschaftswesen war.

Zeit seines Wirkens trat Hartmann immer wieder publizistisch hervor und fühlte sich dem Agrarjournalismus, dem er höchste Bedeutung zumaß, eng verbunden.

Der VAÖ hat von l967 an journalistische Persönlichkeiten mit dem nach Eduard Hartmann benannten Preis ausgezeichnet, wobei eine Jury, bestehend aus ehemaligen Preisträgern, sich bemüht, je einen Preisträger aus dem Bereich Agrarjournalismus und allgemeinen Medien zu finden. 

Als Eduard Hartmann am 3. September 1904 in Laxenburg geboren wurde, bewirtschaftete sein Vater die vom Großvater erworbene landwirtschaftliche „Meierei und Kefir-Anstalt“, die auch den kaiserlichen Hof in Laxenburg belieferte. Doch die ländliche Idylle, in die Hartmann hineingeboren wurde, währte nicht lange. Denn der Vater musste drei Geschwister auszahlen und war dadurch gezwungen, den Betrieb 1912 zu verkaufen. 

Nach Schule und einer mit „sehr gut“ abgeschlossenen Matura – zu seinen Jahrgangskollegen zählten der spätere Redakteur der „Arbeiter-Zeitung“ Friedrich Scheu oder der christlichsoziale Sozialreformer Karl Kummer – studierte er zwischen 1923 und 1927 an der Hochschule für Bodenkultur Landwirtschaft. Seine Ferienmonate verbrachte er meist bei Anbau- und Erntearbeiten in Niederösterreich und im Burgenland. 1927 begann er bei der „Österreichischen Land- und Forstwirtschaftsgesellschaft“, heute „Land & Forst Betriebe Österreich“, bei der auch sein Vater seit 1912 tätig war. Als Mitarbeiter des Präsidialdirektors und als Sekretär der Sektion für Gutsbetriebe eignete sich Eduard Hartmann rasch die Fülle an Kenntnissen an, die für seine Persönlichkeit so bestimmend wurde. Er befasste sich mit agrarischer Pressearbeit, war Experte für Sozialversicherungsfragen und bäuerliches Steuerrecht und besorgte den größten Teil des Beratungsdienstes für Mitglieder der Gesellschaft. Außerdem hielt er immer wieder Fachvorträge und verfasste eine Reihe von einschlägigen Publikationen.

Nach Kriegsende 1945 übernahmen die ehemaligen Funktionäre des Bauernbundes Leopold Figl, Ferdinand Graf und auch Eduard Hartmann wieder die Gebäude des Bauernbundes. Hartmann wurde zum Kammeramtsdirektor-Stellvertreter in Niederösterreich bestellt, im Dezember 1946 trat er die Nachfolge Figls als Bauernbunddirektor an. Daneben schrieb er für die Wochenzeitung „Der österreichische Bauernbündler“ und leitete den Österreichischen Agrarverlag. 1949 setzte ihn Landeshauptmann Steinböck gegen den Widerstand der Bauernvertreter auf die Landesliste der niederösterreichischen ÖVP. Mit unglaublichem Fleiß und persönlicher Entsagung betreute er seinen Wahlkreis, kümmerte sich um jede einzelne Intervention. Im Parlament schätzten die Abgeordneten seine enorme Detailkenntnis und seinen persönlich liebenswürdigen und noblen Stil.

Bei der Entstehung des Milchwirtschaftsgesetzes, des Getreidewirtschaftsgesetzes, des Viehverkehrsgesetzes und des Marktordnungsgesetzes wirkte er maßgeblich mit, während seiner Ministerschaft wurde endlich nach Überwindung von Widerständen beim Koalitionspartner auch das Landwirtschaftsgesetz im Parlament beschlossen.

Als ihn Raab 1959 in die Regierung holen wollte, sträubte sich der „ungeheuer selbstkritische“ Hartmann lange und konnte nur durch Drängen von Freunden zur Übernahme des Amtes überredet werden. Tatsächlich hat er sich in den fast fünf Jahren seiner Ministerschaft so ausschließlich seinen Aufgaben gewidmet, dass er darin völlig aufging und enorm an Kräften verbrauchte. Höhepunkte seiner Laufbahn war zweifellos das Landwirtschaftsgesetz mit dem „Grünen Bericht“ und dem „Grünen Plan“.

Hartmann erkannte rasch, wie wichtig Verhandlungen mit der EWG im Interesse der österreichischen Bauernschaft waren. Immer wieder fuhr er nach Brüssel, um dort die Anliegen der Bauern zu vertreten. Ziel war doch ein Rahmenvertrag zwischen EWG und EFTA, um eine wirtschaftliche Vereinheitlichung in Europa zu erreichen und nicht den Kontinent in agrarische Blöcke aufzuspalten. Auch mussten Sonderregelungen für die Bergbauern und die agrarischen Überschüsse, vor allem im Bereich der Milchwirtschaft gefunden werden.

Seit 1962 übte er auch die Funktion des Generalanwalts des Raiffeisenverbandes aus und trat als solcher für eine engere Zusammenarbeit der europäischen Genossenschaftsbewegungen ein.

1964 verließ er die Regierung, als der ehemalige Finanzminister Josef Klaus im April die Kanzlerschaft übernahm. Obwohl Klaus ihn in seinem Kabinett haben wollte, lehnte Hartmann ab. Die Meinungsverschiedenheit mit Klaus ging auf das Jahr 1961 zurück, als Klaus in der Nachfolge von Reinhard Kamitz sein erstes Budget erstellt und relativ rigid von seinen Ministerkollegen die Einhaltung der Richtwerte gefordert hatte. Klaus berichtet offen in seinen Erinnerungen über diesen Zwist. Er konnte sich zwar in der Sache durchsetzen, allerdings gingen damals Freundschaften in Brüche. Er schreibt wörtlich: „So habe ich etwa mit Landwirtschaftsminister Dr. Hartmann seit damals nie mehr einen menschlichen herzlichen Kontakt gehabt .. „.

Als Leopold Figl im Mai 1965 verstarb, beschloss der niederösterreichische Bauernbund einstimmig, Eduard Hartmann als Nachfolger zu nominieren. Nach langen Überlegungen versagte er sich nicht und übernahm auch die Funktion eines Landesparteiobmannes der ÖVP. Mit Juli 1965 wurde er auch zum Präsidenten des Aufsichtsrates der NEWAG bestellt. In der NEWAG prüfte seit April bereits der Rechnungshof, der bald feststellen musste, dass der bisherige Generaldirektor Viktor Müllner Gelder für parteipolitische Zwecke dem Unternehmen entzogen hatte. Für Eduard Hartmann war dieser Skandal ein Problem, das seine letzten Kräfte beanspruchte. Mit größter Mühe gelang es, Müllner zur Resignation zu veranlassen. Er wurde später vor Gericht gestellt und verurteilt. Für den redlichen und absolut pflichtgetreuen Eduard Hartmann jedoch war diese Belastung zu viel gewesen. Am 14. Oktober 1966 starb er überraschend an einem Herzinfarkt im Alter von nur 62 Jahren.

Eduard Hartmann war seit 1930 verheiratet, das Ehepaar hatte zwei Töchter und einen Sohn.

Dokument zum Download
VAOE-Aufnahmeansuchen_01.doc 

Josef SteiniNger Urkunde

Der VAÖ verleiht seit 1995 an Journalisten und Publizisten, die sich in ihren Arbeiten in hervorragender Weise den Fragen der Land-, Forst- und Ernährungswirtschaft widmen, die „Josef-Steiniger-Urkunde“. Der Weinhauer Josef Steininger (1830 bis 1899) gründete 1877 die Zeitschrift „Mittelstraße“, in der für die Anliegen des Bauernstandes warb. Er gab sie 21 Jahre lang heraus und war somit Pionier des Agrarjournalismus in Österreich.
Dokument zum Download
VAOE-Aufnahmeansuchen_01.doc