Ende Jänner ging die 73. Wintertagung des Ökosozialen Forums erfolgreich zu Ende. Für jene Kolleginnen und Kollegen, die nicht die Möglichkeit hatten, daran teilzunehmen, hat die Pressechefin des Ökosozialen Forums, Johanna Kramer, die Highlights und wichtigsten Inhalte zusammengefasst.
Eröffnungstag „Schnäppchenjagd im Feinkostladen – der wahre Preis billiger Landwirtschaft“
Der Eröffnungstag der Wintertagung widmete sich unter dem Titel „Schnäppchenjagd im Feinkostladen – der wahre Preis billiger Landwirtschaft“ den Herausforderungen rund um Lebensmittelpreise, Freihandel und Versorgungssicherheit. Vertreter:innen aus Politik, Wissenschaft, Handel und Praxis diskutierten faire Preisstrukturen, nachhaltige Produktion und die Rolle der Agrarpolitik zwischen Inflation und Weltmarkt.
Einigkeit bestand darin, dass Landwirtschaft weit mehr als Lebensmittelproduktion ist: Sie stärkt regionale Wirtschaftskreisläufe und trägt wesentlich zur gesellschaftlichen Resilienz bei.
Branchen-Fachtage der Wintertagung in den Bundesländern
Nach der Eröffnung in Wien wurde die agrarpolitische Debatte auf Branchenebene fortgesetzt. Die Fachtage fanden in Oberösterreich, Salzburg, Wien, der Steiermark und Niederösterreich statt und bot praxisrelevante Informationen für Bäuerinnen und Bauern.
Fachtag Schweinehaltung
Der Fachtag Schweinehaltung der Wintertagung zeigte die Landwirtschaft als zentralen Faktor für Versorgungssicherheit, regionale Wertschöpfung und gesellschaftliche Stabilität. Expert:innen diskutierten Herausforderungen wie steigende Anforderungen in Tierwohl, Umwelt- und Klimaschutz, Biosicherheit sowie wirtschaftlichen Druck durch internationale Märkte. Gleichzeitig wurde die hohe Innovationskraft der Branche betont – von praxisnaher Forschung über digitale Lösungen bis hin zu stärkerer Zusammenarbeit entlang der Wertschöpfungskette. Einigkeit bestand darin, dass nachhaltige Produktion nur mit wirtschaftlich tragfähigen Betrieben, fairen Wettbewerbsbedingungen und verlässlichen politischen Rahmenbedingungen möglich ist. Die Veranstaltung unterstrich die Bedeutung von Transparenz, Dialog und gemeinsamen Strategien für eine zukunftsfähige Land- und Forstwirtschaft.
Fachtag Fischereiwirtschaft
Der Fachtag Fischereiwirtschaft verdeutlichte das große Potenzial der heimischen Aquakultur und Fischereiwirtschaft, betonte jedoch zugleich die Notwendigkeit geeigneter Rahmenbedingungen, Innovation und Kooperation entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Themen wie nachhaltige Produktion, regionale Vermarktung, moderne Kreislaufanlagen, alternative Futtermittel sowie Anpassungen an klimatische Veränderungen standen im Mittelpunkt. Erfolgreiche Praxisbeispiele zeigten, dass Qualität, Diversifizierung und partnerschaftliche Netzwerke entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit sind. Gleichzeitig wurde die Bedeutung von Wissenstransfer, Beratung und strategischer Unterstützung hervorgehoben, um langfristig ökologische Verantwortung mit wirtschaftlicher Stabilität zu verbinden und regionale Fischprodukte stärker im Markt zu positionieren.
Fachtag Gemüse-, Obst- und Gartenbau
Der Fachtag Gemüse-, Obst- und Gartenbau beleuchtete zentrale Herausforderungen und Lösungsansätze in der modernen Landwirtschaft unter den Rahmenbedingungen von Klimawandel, Ressourcenknappheit und steigenden Qualitätsanforderungen. Thematisiert wurden nachhaltige Produktionsmethoden, innovative Vermarktungsstrategien, effiziente Bewässerungssysteme sowie Maßnahmen zum Boden- und Gewässerschutz. Zudem wurden Auswirkungen von Mikroplastik auf Bodenökosysteme und die Bedeutung verbindlicher Qualitätsstandards entlang der Wertschöpfungskette diskutiert. Praxisbeispiele verdeutlichten die Relevanz kooperativer Strukturen, technischer Innovationen und angepasster Managementstrategien, um Produktionsrisiken zu reduzieren, natürliche Ressourcen zu schonen und die langfristige Wettbewerbsfähigkeit landwirtschaftlicher Betriebe zu sichern.
Fachtag Waldwirtschaft
Der Fachtag Waldwirtschaft beleuchtete zentrale Herausforderungen und Zukunftsperspektiven der Branche. Im Fokus standen klimafitter Wald, nachhaltige Bewirtschaftung sowie der Einsatz digitaler Technologien wie Drohnen und künstlicher Intelligenz zur Verbesserung von Planung und Entscheidungsprozessen. Gleichzeitig wurden stabile Wertschöpfungsketten, innovative Geschäftsmodelle und internationale Rahmenbedingungen als entscheidend für die wirtschaftliche Entwicklung hervorgehoben. Die Beiträge machten deutlich, dass die Forstwirtschaft im Spannungsfeld zwischen ökologischen Anforderungen, wirtschaftlichem Druck und gesellschaftlichen Erwartungen steht. Innovation, Forschung und Kooperation gelten dabei als wesentliche Voraussetzungen, um die Wälder langfristig resilient zu gestalten und die Zukunft des Sektors zu sichern.
Fachtag Ackerbau
Der Fachtag Ackerbau bot praxisnahe Einblicke in aktuelle Trends und Herausforderungen des Pflanzenbaus. Im Fokus standen steigende Produktionskosten, klimatische Veränderungen sowie Anforderungen an eine nachhaltige Bewirtschaftung. Vorgestellt wurden Strategien zur Stärkung von Bodenfruchtbarkeit, Ertragsstabilität und Wettbewerbsfähigkeit, ergänzt durch innovative Technologien und effizientes Betriebsmanagement. Zudem wurden neue Ansätze im Nährstoffmanagement und Pflanzenschutz diskutiert. Die Veranstaltung förderte den fachlichen Austausch zwischen Wissenschaft, Beratung und landwirtschaftlicher Praxis und zeigte, dass eine zukunftsfähige Landwirtschaft auf dem Zusammenspiel von Innovation, wirtschaftlicher Effizienz und standortangepassten Maßnahmen basiert.
Fachtag Grünland und Viehwirtschaft
Der Fachtag Grünland und Viehwirtschaft beleuchtete zentrale Entwicklungen in der Rinder- und Milchproduktion. Im Fokus standen volatile Märkte, strukturelle Veränderungen sowie steigende Anforderungen an Tiergesundheit und Biosicherheit. Gleichzeitig wurden Chancen durch Automatisierung, digitale Herdmanagementsysteme und satellitengestützte Ertragsmodelle aufgezeigt, die zu mehr Effizienz und Planungssicherheit beitragen können. Einigkeit bestand darin, dass Innovation, Forschung und datenbasierte Entscheidungen entscheidend für die Zukunftsfähigkeit der Betriebe sind. Ebenso wurde die Bedeutung regionaler Qualität und fairer Wettbewerbsbedingungen als wichtige Faktoren für eine nachhaltige und wettbewerbsfähige Landwirtschaft hervorgehoben.
Zusammenschau ergibt klares Bild
Über alle sieben Fachtage hinweg zeigte sich ein klares Bild: Die österreichische Land- und Forstwirtschaft steht vor tiefgreifenden strukturellen, wirtschaftlichen und klimatischen Herausforderungen, verfügt jedoch gleichzeitig über ein hohes Maß an Innovationskraft und Anpassungsfähigkeit. Die Branchen-Fachtage machten deutlich, dass steigende Anforderungen in den Bereichen Tierwohl, Umwelt- und Klimaschutz, Biosicherheit sowie Dokumentation nur mit wirtschaftlich tragfähigen Betrieben, verlässlichen politischen Rahmenbedingungen und fairen Wettbewerbsbedingungen zu bewältigen sind. Zentrale Erfolgsfaktoren für die Zukunft sind praxisnahe Forschung, technologische Innovation, eine stärkere Zusammenarbeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette sowie transparente Markt- und Preisstrukturen.
Die 73. Wintertagung unterstrich eindrucksvoll, dass Versorgungssicherheit, Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit nur gemeinsam gedacht und umgesetzt werden können.
Zusammenfassung: Abschluss Wintertagung 30.1.26
Fotos: ÖSF Pöhlmann






