Wer ist bereit, für die Gesundheit seines Hundes und seiner Katze Geld auszugeben? Und wer ist sogar bereit, eine Krankenversicherung abzuschließen? Diesen Fragen ging eine europäische Studie unter Leitung des Messerli Forschungsinstituts der Veterinärmedizinischen Universität Wien nach, die soeben in „VetRecord“ veröffentlicht wurde.

Dazu führten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eine repräsentative Umfrage unter Hunde- und Katzenhalter in Österreich, Dänemark und dem Vereinigten Königreich durch. Die wesentliche Erkenntnis lautet: Nicht das Einkommen, sondern die Tierliebe entscheidet darüber, wer für sein Haustier in die Tasche greift – auch wenn das Geld knapp ist.
Teuerungskrise trifft Haustierhalter
Die steigenden Kosten für die tierärztliche Versorgung und die allgemein steigenden Lebenshaltungskosten veranlassen Tierhalter dazu, zu überlegen, wie viel sie sich für die Versorgung ihrer Haustiere leisten können. So ergab beispielsweise der PDSA AnimalWellbeing Report bereits im Jahr 2023, dass die Teuerungskrise die Entscheidungen von 22 Prozent der befragten britischen Tierhalter in Bezug auf die Tierpflege beeinflusst hat. Zudem nahmen über 30 Prozent persönliche Einsparungen vor, um ihre Tiere weiter optimal versorgen zu können.
Krankenversicherungen für Haustiere als Gegenmittel
Eine Versicherung kann die finanzielle Belastung und möglicherweise Ungleichheiten in der tierärztlichen Versorgung verringern. „Wir untersuchten deshalb mittels eines Online-Fragebogens die Gründe für den Abschluss einer Versicherung bei mehr als 2.000 Hunde- und Katzenbesitzern in verschiedenen Einkommensgruppen in Österreich, Dänemark und dem Vereinigten Königreich“, erklärt Studien-Erstautorin Svenja Springer von der Vetmeduni. Zudem erhoben die Forscherinnen und Forscher, welche Faktoren die Bereitschaft der Besitzer beeinflussen, Geld für lebensrettende Behandlungen auszugeben.
Geringste Versicherungsquote in Österreich
Insgesamt verfügten 41,7 Prozent der Tierhalter über eine Versicherung, wobei die Quote der Nichtversicherten in Österreich am höchsten war (78,7 Prozent). Im Vereinigten Königreich zeigte sich ein deutliches Einkommensgefälle: Tierhalter in der höchsten Einkommensgruppe schlossen häufiger eine Versicherung ab (65,6 Prozent) als diejenigen in der niedrigsten Einkommensgruppe (34,4 Prozent).
Tierliebe entscheidend, nicht Versicherung oder Finanzen
Vor allem wurde aber eines offensichtlich, wie Springer betont: „Die emotionale Bindung beeinflusst die Bereitschaft der Besitzerinnen und Besitzer, mehr für lebensrettende Behandlungen auszugeben, unabhängig vom Versicherungsstatus.“ Umgekehrt würden sich aber 6,5 Prozent der Hunde- und fast 10 Prozent der Katzenhalter im Fall des Falles für Euthanasie entscheiden und kein Geld für eine Behandlung ausgeben. Zudem prüfte das Forschungsteam, ob mit steigendem Einkommen auch die Bereitschaft steigt, mehr Geld auszugeben. Auch hier zeigen die Daten: Nicht das Einkommen oder das Alter des Tieres sind der entscheidende Faktor, sondern die emotionale Bindung – also die Tierliebe.
Quelle: Die Studie „Investigating dog and cat owners’ uptake of pet health insurance and spending on veterinary treatment“ von Svenja Springer, Thomas Bøker Lund, Peter Sandøe und Sandra A. Corr wurde in „VetRecord“ veröffentlicht.
Fotos: Thomas Suchanek/Vetmeduni, M. Bernkopf, Siffert

