Circa alle zehn Jahre raffen sich der VAÖ aus Österreich, der VDAJ aus Deutschland und der SAJ aus der Schweiz zu einem Dreiländer-Treffen im Bodensee-Raum auf, um die Kontakte der Kolleginnen und Kollegen der drei deutschsprachigen Journalistenverbände weiter zu vertiefen. VAÖ-Vorstandsmitglied Stefan Nimmervoll berichtet darüber.
Dieses Mal lag das „Basecamp“ der Veranstaltung etwas entfernt vom See, in Ravensburg in Baden-Württemberg. Von dort aus unternahmen die Teilnehmer Ausflüge zu Höfen in alle drei Länder. Als Generalmotto diente dabei das Thema „Wettbewerbsfähigkeit“, das bei allen Besuchen auf die eine oder andere Art und Weise im Fokus stand.
Tag eins: Vorarlberg
Vorarlberg war gleich am ersten Tag, dem Donnerstag, Ziel der Gruppe. Mit dem Biohof Lingenhel hatte Organisator (und aktueller Eduard-Hartmann-Preisträger) Bernhard Ammann einen ganz speziellen Betrieb ausgewählt. Die dortige Milchvieh-Herde kommt gänzlich ohne Kraftfutter aus, die Kälber dürfen bei den Kühen saufen, bevor diese gemolken werden und es wird gekäst. Dementsprechend niedrig ist die Milchablieferung an die Molkerei.
Daneben betreibt die Familie einen bestens gebuchten Seminarraum, in dem die Diskussion stattfand. Partner des VAÖ waren dabei die NÖM, für die Lukas Assmair die Konsolidierung der Vorarlberg Milch – augenscheinlich erfolgreich – leitet, und TerraTec, ein innovatives Unternehmen aus Bludenz. Thomas Schallner stellte die Herausforderungen der Berglandwirtschaft und Lösungsansätze, wie den Geräteträger Ibex vor.
Tag zwei: Kanton Schaffhausen
Der zweite Tag fand im Kanton Schaffhausen statt. Dort führte der Weg zum Hof des Präsidenten des dortigen Bauernverbandes, Christian Müller, mit „Munimast“ und Biogas. Danach ging es zur Genossenschaft GVS, wo Bereichsleiterin Ursula Beutler die massiven Auswirkungen der Krise in der Weinwirtschaft besprach. Genossenschaftsmitglied Rafael Hübscher bewirtschaftet einen eigenen Weinberg (den nördlichsten der Schweiz) und lässt, als in Österreich undenkbare Besonderheit, seinen eigenen Wein dort keltern. Er stellte seinen Betrieb bei einem Glas Wein vor. Die kanadisch-schweizerische Kollegin Marianne Stamm trug rührende Auszüge aus dem Buch „Erdbeeren im Heu“ über ihre Migrationsgeschichte vor.
Der Abend am Hofgut Schleinsee in Kressbronn war der nominelle Höhepunkt des Treffens, da dort die agrarpolitische Prominenz geballt auftrat. Namentlich saßen der Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich, Josef Moosbrugger, jener des bayerischen Bauernverbandes, Günther Felßner, die frisch bestellte Baden-Württembergische Agrarministerin Marion Gentges, der Schaffhausener Bauernverbands-Capo Christian Müller und der Experte für Agrarpolitik und Strategieentwicklung in der Bundesanstalt für Landwirtschaft, Thomas Meier, am Board. Dass die politische Spannweite dabei von der Schweizerischen SVP über die CSU und den Bauernbund reichte, zog spannende Auffassungsunterschiede nach sich.
Tag drei: Laubbach in Schwaben
Am letzten Tag folgte schließlich noch intensive Milchwirtschaft am Hof der Familie Härle in Laubbach in Schwaben. Kombiniert wird diese mit einer Biogasanlage und einem Hofcafé. Die Chefitäten sprachen dort viel über den Fachkräftemangel in Deutschland und ließen auch Ahmed Rebai, ihren in Marokko angeworbenen Lehrling, zu Wort kommen.
Nicht möglich wäre das 3 Länder-Treffen gewesen, wenn nicht Sponsoren wie TerraTec, NÖM oder die Landwirtschaftskammer Vorarlberg den Österreich-Teil großzügig unterstützt hätten. Dafür gilt es, herzlich danke zu sagen. Man sieht sich in zehn Jahren am Bodensee.
Auch dem Fotografen Jürgen Pistracher ist Anerkennung auszusprechen. Er dokumentierte das Event wieder mit seiner Kamera und stellte den Kolleginnen und Kollegen die Fotos kostenfrei zur Verfügung.
Fotos: pistipixel.at
