In einem Forschungsprojekt am Waldcampus Österreich in Traunkirchen wurden im Vorjahr rund 600 forsthistorische Exponate zur „Sammlung Mariabrunn“ zusammengeführt. Neben praktischen und kuriosen Gerätschaften befindet sich darunter auch eine der größten Holzmesskluppen-Sammlung der Welt.

 

Die Leitung der Forstsektion des Bundesministeriums zu Gast am Waldcampus Österreich bei der Forschungsgruppe der „Sammlung Mariabrunn“

 

Traunkirchen: 28. September Sonderführung
Am 28. September (14.00 Uhr im Waldcampus in Traunkirchen = Tag des Denkmals) gibt es eine Sonderführung für Interessierte.

Ein Stück lebendige Forstgeschichte
Die „Sammlung Mariabrunn“ enthält zahlreiche forstkulturelle und -historische Exponate. Mit Unterstützung der Forstsektion des LW-Ministeriums hat im vergangenen Jahr eine Forschungsgruppe außergewöhnliche Fundstücke aus Archiven zusammengetragen, dokumentiert und für die Öffentlichkeit aufbereitet.

 

 

Die Sammlung basiert auf Beständen des Museums für das forstliche Versuchswesen Mariabrunn in Wien und umfasst den Zeitraum von 1813 bis heute. Ursprünglich dienten die forstlichen Objekte als Lehrmittel und zur wissenschaftlichen Dokumentation. So erfolgten die Zugänge durch die Wissenschaft, durch private Spender, aber auch im Zuge bestimmter Anlässe, wie etwa der Weltausstellung 1873 in Wien. Der historische Bestand wurde mit der BOKU (Universität für Bodenkultur Wien)-Gründung 1872 geteilt, 1929 fotografisch dokumentiert und 1963 aufgelöst. Es dauerte rund 30 Jahre, bis eine Auswahl von Exponaten zusammengetragen und das neue Museum für die forstliche Forschung an der forstlichen Versuchsanstalt Mariabrunn in Wien 1993 wieder begründet wurde.

„Sammlung Mariabrunn“ zeigt: Österreichische Forstwirtschaft hat seit Jahrhunderten Vorbildwirkung
Nach der Verlegung des Bundesforschungszentrums für Wald (ehemals forstliche Versuchsanstalt) von Mariabrunn nach Schönbrunn wurde das Museum eingelagert und übersiedelte 2014 an die Forstliche Ausbildungsstätte Ort in Gmunden und dann weiter an den neu eingerichteten Waldcampus Österreich in Traunkirchen. Dort sind die Exponate nun in Archivräumen sachgerecht gelagert und können in Spezialausstellungen dem interessierten Publikum zugänglich gemacht werden.

 

 

Europaweit einzigartig
Die historische Sammlung umfasst Geräte und Werkzeuge aus dem Forschungs- und Lehralltag, Präsentations- und Informationsmaterialien, Schautafeln, Bilder, Dias, Publikationen und Landkarten, Sonderdrucke und Dokumente sowie eine Xylothek. Unter den Exponaten befindet sich zudem eine außergewöhnliche Kollektion von 25 Modellen an historischen Baum- und Holzmesskluppen – eine der größten Sammlungen dieser Art weltweit.

Im mehr als 400-seitigen Schlussbericht werden über 600 forsthistorische Exponate beschrieben. Im Anhang befinden sich erläuternde Beiträge, unter anderem über die Geschichte des Forstmuseums Mariabrunn, über die Pecherei und die Lärchenharzgewinnung sowie die Beschreibungen kurioser Exponate. Auch besondere forsthistorische Persönlichkeiten wie etwa Walter Bitterlich, Josef Ressel oder Arthur von Seckendorff-Gudent werden darin gewürdigt.

Unter der Leitung von DI Dr. Herbert Kohlross (Forsthistoriker, Buchautor, Unternehmensberater Forstwirtschaft) brachte das Forschungsteam, bestehend aus Forsträtin Dr. Elisabeth Johann (Forsthistorikerin, Buchautorin, Forstwirtin), Prof. DI Dr. Wolfgang Jirikowski (Forsthistoriker, langjähriger Leiter der Forstlichen Ausbildungsstätte Ort), Mag. Dr. Karl Hohensinner (Historiker, Germanist, Kulturvermittler und Schriftsteller) und Mag. Hermine Hackl (Österreichische Waldbotschafterin), ihre Expertise für das forstwissenschaftliche Projekt ein.

 

 

„Diese forsthistorische Sammlung in Traunkirchen ist sicher europaweit einzigartig. Mit ihren Anfängen, die bis ins Jahr 1813 zurückreichen, kann sie als ‚Wiege‘ der forstlichen Dokumentation in Österreich betrachtet werden. Die präsentierten Gerätschaften zeigen eindrucksvoll auf, dass die österreichische Forstwirtschaft seit Jahrhunderten Vorbildwirkung für Europa und die Welt hatte und hat. Dabei kam dem Messen der Holzvorräte und einer nachhaltigen Bewirtschaftung der Wälder immer schon eine wichtige Rolle zu“, betont DI Elfriede Moser, Sektionschefin für Forstwirtschaft und Regionen im Bundesministerium.

 

 

Tagebücher der jungen Erzherzogin
Zur Sammlung gehören außerdem zeithistorische Dokumente wie etwa einige Notizbücher einer bislang nicht näher bekannten jungen, adeligen Dame, vermutlich einer habsburgischen Erzherzogin, die in enger Beziehung zum ehemaligen Schlossbesitzer Johann Orth stand. Diese Notizen wurden 2017 im Zuge der Übersiedlung der Forstlichen Ausbildungsstätte vom Landschloss Orth nach Traunkirchen vom damaligen Leiter Wolfgang Jirikowski hinter einer Vertäfelung gefunden. Die handgeschriebenen Tagebücher geben Aufschluss über den Alltag dieser Zeit, erzählen in Gedichten, Erzählungen und Illustrationen aber auch über Liebesglück und Liebesweh der jungen Autorin.

 

Fotos: BMLUK / Schima