Gelingt der Dialog zwischen Landwirtschaft und Umwelt? Lassen sich daraus Positionen für die Zukunft der GAP entwickeln? Diesen Fragen widmete sich die Podiumsdiskussion „Talk or Lose? Dialog führen & Positionen stärken“ Ende September in der Ständigen Vertretung Österreichs bei der EU in Brüssel. Durchgeführt wurde die Veranstaltung vom Ökosozialen Forum Österreich & Europa gemeinsam mit der LK Österreich und dem Europäischen Umweltbüro.

 

 

Erklärtes Ziel der Veranstalter war es, Landwirtschaft und Umwelt als Partner bei der Neugestaltung der GAP zusammenzubringen und zudem die Vorreiterrolle des Österreichischen Agrarumweltprogramms (ÖPUL) in puncto Nachhaltigkeit zu beleuchten.

 

 

Werner: GAP muss unterschiedliche Anforderungen verbinden
Elisabeth Werner, Generaldirektorin für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung (GD AGRI), skizzierte die künftige Ausgestaltung der Gemeinsamen Agrarpolitik: „Die europäische Agrarpolitik muss unterschiedliche Anforderungen gleichzeitig berücksichtigen: Resilienz, Nachhaltigkeit und Innovation stehen im Zentrum unserer Vision für Landwirtschaft und Ernährung, für einen zukunftssicheren Agrar- und Lebensmittelsektor.“

Ceyssens: Landwirtschaft und Umweltpolitik frühzeitig zusammenbringen
Jan Ceyssens, stellvertretender Kabinettschef für Umweltpolitik, stellte die umweltpolitischen Ziele der Kommission dar: „Landwirtschaft und Umweltpolitik treffen bei vielen zentralen Herausforderungen unmittelbar aufeinander. Je früher beide Perspektiven bei der Entwicklung politischer Instrumente zusammengeführt werden, desto besser können ökologische Zielsetzungen und die praktische Umsetzung aufeinander abgestimmt werden.“

Mayrhofer: „Das große Ganze in den Mittelpunkt stellen“
Für Hans Mayrhofer, Generalsekretär des Ökosozialen Forums Österreich & Europa, ist dieser Ansatz zentral für die Ökosoziale Marktwirtschaft: „Wenn wir bei Landwirtschaft und Umwelt nur auf die tagespolitischen Konflikte schauen, verlieren wir schnell das große Ganze aus den Augen. Die Ökosoziale Marktwirtschaft bedeutet, wirtschaftliche Tragfähigkeit, ökologische Verantwortung und soziale Auswirkungen gemeinsam zu berücksichtigen. Das ÖPUL zeigt, dass Interessenausgleich in praxistaugliche Instrumente übersetzt werden kann.“

 

 

Berlakovich: Umweltleistungen und wirtschaftliche Tragfähigkeit zusammendenken
Nikolaus Berlakovich, Vizepräsident des Europäischen Bauernverbands Copa, vertrat die landwirtschaftliche Perspektive auf dem Podium: „Landwirtschaft ist auf gesunde Böden, verfügbares Wasser und funktionierende Ökosysteme angewiesen. Gleichzeitig müssen die Betriebe wirtschaftlich arbeiten und Lebensmittel produzieren können. Wenn Landwirtinnen und Landwirte zusätzliche Umweltleistungen erbringen, braucht es dafür verlässliche Rahmenbedingungen und eine angemessene Abgeltung. Das ÖPUL zeigt, wie solche Leistungen gemeinsam mit der landwirtschaftlichen Praxis umgesetzt werden können.“

Heidegger: Gemeinsame Ziele in wirksame Maßnahmen übersetzen
Die umweltpolitische Perspektive brachte Patrizia Heidegger, stellvertretende Generalsekretärin des European Environmental Bureau, in die Diskussion ein: „Bei Biodiversität, Boden, Wasser und Klimaanpassung gibt es viele Bereiche, in denen Landwirtschaft und Umweltschutz auf dieselben natürlichen Grundlagen angewiesen sind. Entscheidend ist, gemeinsame Ziele in wirksame Maßnahmen zu übersetzen und unterschiedliche Sichtweisen bereits bei deren Entwicklung einzubeziehen.“

Unterschiedliche Positionen sind Ausgangspunkt, nicht Hindernis
Neben Berlakovich, Heidegger, Werner und Ceyssens diskutierten Felix Mittermayer, leitender Mitarbeiter im Sekretariat des Ausschusses für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung des Europäischen Parlaments, und Caroline Parsché, Policy Adviser für Umweltpolitik, Gesundheit und Lebensmittelsicherheit der EVP-Fraktion im Europäischen Parlament.

Moderiert wurde die Diskussion von Verena Scherfranz, stellvertretender Leiterin des Brüsseler Büros der Landwirtschaftskammer Österreich.

 

Fotos: ÖSF