Im Rahmen einer dreitägigen Pressereise in der Bretagne trafen sich Expertinnen und Experten aus Forschung, Beratung, Innovationsförderung und Agrarjournalismus am Institut Agro Rennes-Angers, um zu erörtern, wie digitale Innovationen im Tierhaltungssektor wirksamer in die Praxis übertragen werden können. Aus Österreich nahmen „Landwirt“-Redakteurin Stephanie Auinger aus Oberösterreich und Christian Moser von der LK Tirol teil.

Die Podiumsdiskussion am 6. Juli wurde durch eine Plattform zum Wissensaustausch über innovative digitale Tools, Pilotinitiativen und aktuelle wissenschaftliche Ergebnisse ergänzt – darunter auch das Projekt EU-FarmBook. Darüber hinaus wurden im Rahmen von Besuchen im Institut für Schweinefleisch und -Haltung (IFIP) in Romille und dem Zentrum für Innovation und Forschung im Kälberbereich CIRVEAU in Mauron sehr interessante Einblicke in diese sensiblen Bereiche ermöglicht. In Romille gab es sogar für zehn Journalisten die Möglichkeit unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen die Versuchsanstalt mit den 200 Schweinen von innen zu besichtigen, wo Forschungsprojekte zu Fütterung, Haltung, Tierwohl, Klimaeffizienz und digitaler Unterstützung stattfinden.

 

 

Spannend waren auch die Einblicke auf den beiden Versuchsfarmen CIRBEEF und CIRVEAU, wo Frankreich wahrscheinlich als einziges Land in Europa 2023 ein eigenes Versuchs- und Innovationszentrum für den Kälberbereich eröffnet hat. Damit versucht man wissenschaftlich fundiert Ergebnisse zu erhalten in technischer und wirtschaftlicher Hinsicht. Das Kälberforschungszentrum hat auch eine wichtige Aufgabe in der gesellschaftlichen und ökologischen Diskussion, die auch die französische Kälberbranche vor große Herausforderungen stellt. Generell sind diese Diskussionen in Frankreich ebenfalls stark spürbar, wenn auch nicht in dieser Intensität wie im deutschsprachigen Raum.

 

 

Ergänzend dazu wurden zwei Praxisbetriebe mit Putenmast und Milchviehhaltung mit Schweinemast besucht. Der als Familienbetrieb geführte Putenmastbetrieb nimmt seit 2024 an einem Pilotprojekt teil, wo mittels Ton- und Videoaufzeichnungen die Bestandsüberwachung durchgeführt wird. Damit wird es den Landwirten ermöglicht, schneller Anomalien zu erkennen und das Management zu optimieren. Auf dem Milchviehbetrieb mit 150 Milchkühen wurde der Einsatz des Fütterungsroboters gezeigt, welcher auf dem Betrieb schon seit 2015 eingesetzt wird. Gerade die Automatisierung der Fütterung erfährt aktuell einen großen Zuspruch. Interessant war auf dem Betrieb auch die Tatsache, dass trotz Temperaturen von über 30 Grad Celsius die Milchkühe am Tag auf der Weide sind.

Im Vorspann zur Pressereise gaben die Vertreter der Genossenschaft Cooperl Einblicke in die Schweinehaltung in der Bretagne mit Besichtigung ihrer firmeneigenen Versuchsanstalt mit 250 Zucht- und Mastsauen. In Versuchen wird ermittelt, welchen natürliche Haltungsformen den Tieren entgegenkommen und damit auch das Schwanzbeißen bei der Haltung in Gruppen zu reduzieren. Zusätzlich gibt es auch Versuche zur antibiotikafreien Produktion. Rund 4,6 Millionen Schweine werden von Cooperl jährlich vermarktet. Mit 2,5 Milliarden € ist man unter den zehn größten Schweinefleischverarbeitern in Europa. Seit 2013 agiert Cooperl auch in Südostasien, insbesondere in China, dem weltweit größten Verbraucherland für Schweinefleisch. Aufgrund von Mercosur wurde 2025 auch in Brasilien ein Vertriebsbüro eröffnet.

 

 

Die internationale Pressereise wurde von EU-FarmBook, dem European Network of Agricultural Journalists (ENAJ) und dem französischen Nutztierinstitut (IDELE) organisiert. Rund 30 Teilnehmende aus Wissenschaft und Medien nahmen an der Veranstaltung teil und wurden von Patrick Sarzeaud, Senior Innovation Manager bei IDELE; Dr. Inge De Bo, wissenschaftliche Koordinatorin von EU-FarmBook und Forscherin für Biosystems Control and Gaseous Emissions in Livestock an der Universität Gent; sowie Yanne Boloh, Vorsitzende von ENAJ, Journalistin und Präsidentin der Presseagentur Philéas Info, begrüßt.

Begleitend zur Podiumsdiskussion wurden zahlreiche Forschungsprojekte in einem „Innovation Marketplace“ präsentiert. Bérenger Morel von IDELE stellte Neuigkeiten von der EU-FarmBook-Plattform vor. Das Institut Agro Rennes-Angers zeigte digitale Innovationen in der Milchviehhaltung. Neue Technologien in der Schweineproduktion, KI-Unterstützung und Precision Farming wurden von CRÉCOM vorgestellt. IDELE konzentrierte sich auf TRET, eine Plattform für Transfer, Forschung und Expertise im Melken, angesiedelt auf einem Versuchsbetrieb in Derval, sowie auf digitale Innovationen in der Nutztierhaltung mit dem Digifermes®-Netzwerk. ITAVI stellte mehrere digitale Tools vor, darunter EBENE zur Bewertung des Tierwohls und Cap2ER, das den ökologischen Fußabdruck landwirtschaftlicher Betriebe misst.

 

 

Ein besonderer Höhepunkt wurde den Teilnehmern in der geschichtsträchtigen Bibliothek im Institut Agro Rennes-Angers gezeigt mit der Präsentation des weltbekannten, lebensgroßen anatomischen Modells eines Pferdes aus 1851 vom französischen Arzt und Anatom Dr. Louis Auzoux. Mit diesem Modell aus 127 abnehmbaren Teilen aus Pappe revolutionierte Auzoux die veterinärmedizinische Ausbildung. Heute gibt es nur mehr einige wenige Exemplare. Das deutsche Modell in Halle wurde sogar in die Liste geschützter Kulturgüter Sachsen-Anhalts eingetragen.

 

Fotos: Christian Moser, Darreenvt