Unter dem Titel „90 Jahre Brückenschlag zwischen Stadt und Land“ betrachtete der frühere Direktor des Wiener Bauernbundes und Geschäftsführer der „Demox Research“, Dipl.-Ing. Paul Unterhuber, die Geschichte dieser politischen Interessenvertretung in einem Aufsatz in der Zeitung „Agrar Wien Aktuell; Spiegel der Stadtlandwirtschaft“, 53. Jahrgang, Ausgabe 1/26. „Salzburger Bauer“-Grafik-Leiter Günther Oberngruber zeichnet verantwortlich für das gelungene Layout des Heftes, zu dem das reichhaltige Archiv des Wiener Bauernbundes wesentlich beitrug.
Vor wenigen Tagen feierte dann der kleinste der neun Bauernbünde sein Jubiläumsfest mit Festreden prominenter Gäste und Ehrungen verdienter Mitglieder.
Hier eine Kurzfassung der Geschichte:
Der Wiener Bauernbund wurde 1936 gegründet, um die Interessen der Wiener Landwirtschaft zu bündeln. Er entstand aus dem Zusammenschluss von Gärtnern, Weinhauern, Landwirten und Milchbauern, die in einer wirtschaftlich schwierigen Zeit ein gemeinsames politisches Sprachrohr brauchten. Wien war damals bereits ein eigenes Bundesland mit besonderer Agrarstruktur: Stadt und Landwirtschaft lagen hier eng beieinander, und genau diese Nähe machte den Wiener Bauernbund von Anfang an einzigartig. Er übernahm damit die Aufgabe, zwischen den Bedürfnissen der städtischen Bevölkerung und jenen der bäuerlichen Familienbetriebe zu vermitteln.
Die ersten Jahre waren von politischen Umbrüchen geprägt. 1938 wurde die Arbeit des Bauernbundes nach dem „Anschluss“ Österreichs unterbrochen. Erst 1945 begann der Wiederaufbau durch frühere Funktionäre wie Michael Walla und Franz Hengl. In der Nachkriegszeit war die Versorgung der Wiener Bevölkerung eine zentrale Herausforderung, und der Bauernbund half mit, rasch wieder funktionierende Liefer- und Versorgungsstrukturen aufzubauen. Bereits 1946 wurde das erste Wiener Erntedankfest veranstaltet, das sich rasch zu einem wichtigen Symbol für die Verbindung von Stadt und Land entwickelte.
In den folgenden Jahrzehnten festigte sich die Stellung des Wiener Bauernbundes als Interessenvertretung der Wiener Landwirtschaft. 1957 kam es nach langen Verhandlungen zur Gründung einer eigenen Wiener Landwirtschaftskammer, ein wichtiger Erfolg für die Selbstvertretung der Wiener Betriebe. Parallel dazu entwickelte sich der Bauernbund auch organisatorisch weiter: Führungspersonen wechselten, die Agrarpolitik wurde stärker professionalisiert, und der Bund blieb eng mit der Österreichischen Volkspartei und der Landwirtschaftskammer vernetzt.
Ab den 1990er-Jahren rückte die Sichtbarkeit der Wiener Landwirtschaft stärker in den Vordergrund. Das Erntedankfest wurde in die Innenstadt verlegt und machte die Leistungen der Wiener Gärtner, Winzer und Landwirte einem breiten Publikum sichtbar. Mit dem Wiener Landwirtschaftsgesetz, das 2001 in Kraft trat, wurde schließlich auch die Förderung der Wiener Landwirtschaft gesetzlich abgesichert. Damit erhielt die Stadtlandwirtschaft eine dauerhafte politische und rechtliche Grundlage.
Heute versteht sich der Wiener Bauernbund als moderne Vertretung einer vielfältigen Stadtlandwirtschaft. Neben Gartenbau, Weinbau, Ackerbau und Obstbau spielen auch neue Bereiche wie Spezialkulturen, Fischzucht oder innovative Energieformen eine Rolle. Trotz Flächendruck und wachsender Stadt bleibt die Aufgabe dieselbe wie 1936: die Wiener Landwirtschaft zu stärken, ihre Flächen zu sichern und ihre Bedeutung für Versorgung, Umwelt und Lebensqualität sichtbar zu machen.
Auszug aus dem Jubiläumsheft: 90 Jahre Wr.Bauernbund
Fotos: Wiener Bauernbund, Harald Klemm


