Irland ist eine vergleichsweise kleine Insel, doch ihre Landwirtschaft sollte man nicht unterschätzen. Das zeigte sich bei einer Agri-Press-Pressefahrt, an der VAÖ-Mitglied und BauernZeitung-Redakteurin Katharina Berger teilnahm.

Mit rund 70.000 Quadratkilometern zählt Irland zu den kleineren Ländern Europas, dennoch werden knapp 70 Prozent der Gesamtfläche landwirtschaftlich genutzt. Im Zuge einer von der EU Agri-Press organisierten Pressereise nach Irland wurden zwei landwirtschaftliche Betriebe besichtigt sowie die größte Freiland-Agrarmesse Europas besucht.
Vom 15. bis 17. September machten sich 16 Agrarjournalistinnen und -journalisten aus ganz Europa auf den Weg nach Dublin. Dort fand zunächst ein Treffen mit Elisabeth Werner, Generaldirektorin für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung der Europäischen Kommission statt. Sie betont die zunehmende Überalterung der Branche, denn nur etwa zwölf Prozent der EU-Bauern sind unter 40 Jahre alt. Auch wenn Österreich mit knapp 24 Prozent über dem Durchschnitt liegt, möchte die Generaldirektorin, die selbst Österreicherin ist, den EU-Altersdurchschnitt mit Hilfe von Förderprogrammen für Junglandwirte senken.

Größte Freiland-Agrarmesse der EU
Am zweiten Tag wurde die „National Ploughing Championship“ besucht, also die nationalen Pflügermeisterschaften, die gleichzeitig auch die größte Freiland Agrarmesse Europas sind. Rund 243.000 Besucherinnen und Besucher waren über drei Messetage vor Ort. Ein eigener EU-Stand sollte dort über die gesamte europäische Landwirtschaft informieren. So wurde aus jedem Mitgliedsland ein typisches Produkt zum Verkosten präsentiert. Aus Österreich gab es steirisches Kürbiskernöl.

Zwischen Bio-Rindfleisch und Nachhaltigkeit
Am selben Tag wurde ein Bio-Rinderbetrieb in Clonbullogue in der Region Offaly besichtigt. Der Betrieb wird von Ken Gill geführt. Der 61-Jährige arbeitete rund 40 Jahre gemeinsam mit seinen Eltern auf dem Hof. Als sein Vater 2013 in Pension ging, stellte er den Betrieb auf biologische Produktion um. Ausschlaggebend dafür waren sein Interesse an einem anderen Landwirtschaftsmodell und sein starkes Engagement für Nachhaltigkeit. Heute setzt Gill auf eine ökologische, graslandbasierte Rindfleischproduktion. Im Mittelpunkt stehen die Tierleistung, das Grünland, das Herdenmanagement und die ökologische Nachhaltigkeit.

Insgesamt umfasst die Farm 120 Hektar, davon sind rund 90 Hektar landwirtschaftlich genutzte Fläche. Der überwiegende Teil davon wird als Grünland genutzt. Auf etwa fünf bis zehn Hektar werden Ackerbaukulturen angebaut, die Teil einer Fruchtfolge sind. Auf dem Betrieb gibt es rund 200 Rinder, hauptsächlich die Rassen Limousin und Angus. Das gesamte auf dem Hof produzierte Rindfleisch wird an einen Bio-Fleischverarbeiter verkauft. Rund 30 Prozent des Fleisches bleiben auf dem irischen Markt, etwa 70 Prozent sind für andere Märkte innerhalb der EU bestimmt. Neben der Rinderhaltung betreibt Gill auch Ackerbau. Angebaut werden unter anderem Hafer als Nahrungsmittel, Rotklee und Winterfutterkulturen. Auch beim Grünlandmanagement wurden Maßnahmen gesetzt. Im Rahmen des „Better Beef Programme“, also qualitatives Rindfleisch-Programm, wurde eine Grasmessung eingeführt. Gemeinsam mit zusätzlichen Koppeln soll damit die Verfügbarkeit und Qualität des Futters verbessert werden. Zum Betrieb gehören außerdem rund 22 Hektar Wald, darunter naturnahe Waldflächen und Eichenbestände. Weitere 4,8 Hektar werden als Kurzumtriebsweiden genutzt. Die dort gewonnene Biomasse wird an ein nahegelegenes Kraftwerk geliefert.

Hier ist der Melkroboter im Einsatz
Am nächsten Tag wurde ein Milchviehbetrieb besichtigt. Colm und Millie McIntyre führen den Betrieb seit 2002 gemeinsam mit der Unterstützung ihrer vier Kinder. Seither haben Colm und Millie den Betrieb erweitert und unter anderem in Infrastruktur, Melkroboter und Umweltmaßnahmen investiert. Heute bewirtschaften sie 92 Hektar auf drei Flächen und halten 105 Milchkühe.

Die Milchviehhaltung basiert überwiegend auf Gras. Bei den Tieren handelt es sich hauptsächlich um Holstein-Friesian-Kreuzungen. Daneben gibt es einige Kreuzungen mit Jersey, Fleckvieh, Norwegian Red und Montbéliarde. Die jährliche Milchproduktion liegt bei rund 6.500 Litern je Kuh. Das Weidemanagement erfolgt nach einem ABC-Weidesystem. Die Kühe beweiden drei Flächen innerhalb von 24 Stunden, jeweils rund acht Stunden. Elektrische Weidezäune werden täglich versetzt, um größere Weideflächen zu unterteilen. Zusätzlich erhalten die Kühe Kraftfutter am Melkroboter.
Im Mittelpunkt stehen dabei Tiergesundheit, Milchqualität, ökologische Nachhaltigkeit und die Einbindung der Familie. Auch bei Energie, Düngung und Wasser setzt die Familie auf verschiedene Maßnahmen. Vor kurzem wurden Solarpaneele installiert, um die Stromkosten und den CO₂-Fußabdruck zu reduzieren. Felder wurden neu eingesät und mit zusätzlichem Klee versehen, um den Einsatz von Stickstoff zu verringern. Regelmäßige Bodenproben sollen einen gezielteren Düngereinsatz ermöglichen. Seit 14 Jahren kommt außerdem ein emissionsarmer Gülleausbringer zum Einsatz. Alle Wasserläufe des Betriebs verfügen über Uferpufferstreifen. Technik spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Die Melkroboter ermöglichen eine genauere Steuerung der Fütterungsmengen und überwachen unter anderem die Leitfähigkeit der Milch. Dadurch können frühe Anzeichen von Mastitis erkannt werden. Gleichzeitig soll der Einsatz von Antibiotika reduziert werden.

Die gesamte Milchproduktion des Betriebes wird an das irische Milchverarbeitungsunternehmen Lakeland Dairies geliefert. Dabei müssen verschiedene Qualitätsanforderungen erfüllt werden, unter anderem hinsichtlich Temperatur, Zellzahl, Gesamtkeimzahl, TH-MO und Harnstoff. Auch Fett- und Proteingehalt müssen bestimmte Werte erreichen. Für die Zukunft wollen Colm und Millie die Zucht weiterführen, um die Milchinhaltsstoffe zu erhöhen und gleichzeitig die Gesundheit der gesamten Herde zu verbessern. Außerdem ist die Installation eines Inline-Milchtests an den Melkrobotern geplant. Damit sollen Protein, Fett und Laktose direkt überwacht werden können.
Irland ist ein Exportland
Rund 90 Prozent der Produktion werden exportiert. 2025 erreichten die Rindfleischexporte einen Wert von mehr als 3,4 Mrd. Euro, bei einer Ausfuhr von rund 474.000 Tonnen. Die Menge lag damit unter dem langjährigen Durchschnitt, der Wert stieg jedoch deutlich, und das vor allem aufgrund der weltweit höheren Preise. Auch der Handel mit Zucht- und Schlachtvieh ist bedeutend. 2025 wurden rund 380.000 Rinder und andere Nutztiere exportiert, deren Wert lag bei rund 480 Mio. Euro. Damit ist der Export kein zusätzlicher Absatzweg, sondern eine Grundvoraussetzung für den irischen Rindersektor.
Der wichtigste Abnehmer liegt direkt vor der Haustür: das Vereinigte Königreich. Daneben spielen vor allem Frankreich, die Niederlande, Italien und Deutschland eine große Rolle. Irisches Rindfleisch wird aber auch in zahlreiche Drittstaaten verkauft. Diese internationale Ausrichtung erklärt auch, warum die Vermarktung in Irland einen so hohen Stellenwert hat. Eine zentrale Rolle übernimmt dabei das Lebensmittelamt Bord Bia, das „Irish Food Board“.
Der entscheidende Unterschied zur Rindermast am EU-Festland liegt im vollen Fokus auf die Weide. Irland verfügt aufgrund seiner klimatischen Bedingungen über eine lange Vegetationsperiode. Laut der staatlichen Einrichtung für Forschung, Beratung und Ausbildung in Land- und Lebensmittelwirtschaft, Teagasc, funktioniert die irische Rinderhaltung überwiegend grasbasiert. Je nach Produktionssystem können 80 bis 90 Prozent des Futters aus dem Grünland stammen. Das Ziel ist klar: möglichst viel hochwertiges Gras über Wiederkäuer zu veredeln. Die meisten Kälber kommen deshalb im Frühjahr zur Welt – vor allem zwischen Februar und April. Damit fällt die Zeit der höchsten Nährstoffansprüche der Tiere mit dem Beginn der Vegetationsperiode zusammen. Erst im Herbst und Winter kommen sie in vielen Regionen für einige wenige Monate in den Stall. Wie lange die Stallperiode dauert, hängt unter anderem vom Bodenzustand und der Witterung ab. Üblich sind 250 bis 290 Weidetage.

Fotos: Berger