Zum 100- jährigen Jubiläum der „Grünen Woche“ in Berlin zeigen sich Österreichs Agrarexporte als Erfolgsmodell der Veredelung: Besonders in Deutschland steigt die Nachfrage nach hochwertig verarbeiteten Lebensmitteln wie Fleischwaren, Speck, Käse, Obst- und Gemüsezubereitungen sowie Backwaren aus dem Land der Berge.

 

Julia Göschelbauer (Exportmarketing), Christian Hammerle (Speaker), Christina Mutenthaler-Sipek (GF AMA-Marketing), Sören Kliemann (Speaker) und Lorenz Mayr (Aufsichtsratsvorsitzender AMA-Marketing)

 

Aktuelle Zahlen präsentierte die AMA-Marketing im Rahmen einer Pressekonferenz auf der Grünen Woche in Berlin. Die vorläufigen Daten von Statistik Austria (Zollkapitel 01–24) für Jänner bis September 2025 zeigen nicht nur eine langfristig positive Entwicklung, sondern auch eine spürbare Dynamik gegenüber dem Vorjahr – getragen von Qualität und Wertschöpfung.

„Es freut uns sehr zu sehen, wie stark sich Österreich im Export als Land der Veredelung positioniert. Hochwertig verarbeitete Lebensmittel treffen international – insbesondere in Deutschland – den Geschmack der Zeit und bestätigen den erfolgreichen Weg unserer Produzentinnen und Produzenten“, so Christina Mutenthaler-Sipek, Geschäftsführerin der AMA-Marketing.

 

 

Fokus auf EU-Binnenmarkt
Der Wert der gesamten Agrarexporte erhöhte sich in den ersten drei Quartalen von rund 12,6 Milliarden Euro im Vorjahr auf 13 Milliarden Euro (+3,2%). Gleichzeitig ging die Exportmenge von 8,1 auf 7,8 Millionen Tonnen zurück (-3,7%). Die Agraraußenhandelsbilanz lag im Beobachtungszeitraum bei minus 1,9 Milliarden Euro.

Gemeinsame Agrarpolitik, internationale Zölle und Lieferketten-Herausforderungen verstärken den intra-europäischen Handel. Nur mehr knapp 20 Prozent der Agrarexporte gehen in Drittstaaten. Der österreichische Agrarexport konzentriert sich damit klar auf den EU-Binnenmarkt.

 

 

Deutschland bleibt Kernmarkt
Mit rund 40 Prozent des Exportvolumens ist Deutschland weiterhin mit Abstand wichtigster Handelspartner. In den ersten neun Monaten 2025 wurden Agrarwaren im Wert von fünf Milliarden Euro exportiert – ein Plus von 3,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig stiegen die Importe auf 4,9 Milliarden Euro, womit eine positive Außenhandelsbilanz von 220 Millionen Euro erzielt wurde.

Österreich: Land der Veredelung
Die Top-10-Exportprodukte unterstreichen die Kompetenz der österreichischen Exportwirtschaft in der Weiterverarbeitung und Veredelung hochwertiger Rohstoffe. Während alkoholfreie Limonaden weiterhin das Ranking anführen – allerdings mit rückläufiger Tendenz – zeigen veredelte Produkte aus Fleisch, Milch, Obst, Gemüse und Getreide deutliches Wachstum. Auch Geflügel- und Rindfleisch zählen zu den wichtigsten Exporten nach Deutschland.

Wurst, Speck und Käse auf Erfolgskurs

Wurst-, Schinken- und Speckwaren aus Österreich erfreuen sich in Deutschland wachsender Beliebtheit: Der Exportwert stieg um 8,8 Prozent, die Menge um 6,7 Prozent. Die Preise pro Kilogramm sind seit 2023 stabil. Auch beim Käse zeigt sich nach einem Rückgang 2024 wieder ein starkes Plus von 13 Prozent im Exportwert. Dazu trägt unter anderem die steigende Nachfrage nach proteinreichen Produkten bei.

Schonend veredeltes Obst und Gemüse im Trend
Der Convenience-Trend stärkt die Nachfrage nach haltbaren, qualitativ hochwertigen Lebensmitteln. Fruchtsäfte, Konfitüren, eingelegtes Gemüse und weitere schonend verarbeitete Produkte aus Österreich gewinnen in Deutschland an Bedeutung. Trotz leicht rückläufiger Mengen im Jahr 2025 zeigt die längerfristige Entwicklung – insbesondere wertmäßig – klar nach oben.

Hoher Appetit auf Backwaren
Backwaren aus Österreich verzeichnen ein kräftiges Wachstum: Die Exporte nach Deutschland stiegen gegenüber dem Vorjahr um mehr als 20 Prozent im Wert und nahezu ebenso stark in der Menge. Besonders gefragt sind süße und salzige Snacks, Waffeln sowie Feinbackwaren. Rund zehn Prozent entfallen auf frisches Brot und Gebäck.

Geflügel gefragt, Rindfleisch teurer
Geflügelfleisch ist europaweit stark nachgefragt – auch aufgrund von Produktionsausfällen infolge der Vogelgrippe. Österreich exportierte trotz hoher Inlandsnachfrage drei Prozent mehr Menge nach Deutschland, der Exportwert stieg um 14 Prozent. Bei Rindfleisch sank die exportierte Menge deutlich, während höhere Preise den Exportwert dennoch um sechs Prozent steigen ließen.

Regionale Qualität sichtbar machen
Die Ergebnisse bestätigen aus Sicht der AMA-Marketing die Stärke Österreichs bei hochveredelten Produkten aus qualitätsgeprüften Rohstoffen. „Unser Ziel ist, wo immer möglich, die regionale Herkunft der Urprodukte und die kontrollierte Qualität mit dem AMA-Gütesiegel und AMA-Biosiegel sichtbar zu machen“, so Christina Mutenthaler-Sipek, Geschäftsführerin der AMA-Marketing. „Die AMA-Marketing unterstützt gezielt den Export österreichischer Lebensmittel und positioniert diese mit einem breiten Maßnahmenmix aus internationalen Messeauftritten, Point-of-Sale-Aktivitäten, Fachveranstaltungen sowie Medienkooperationen erfolgreich auf internationalen Märkten. Im Fokus stehen Produkte mit nachvollziehbarer Herkunft und hoher Qualität – von Milch- und Fleischprodukten bis hin zu regionalen Spezialitäten“, betont Mutenthaler-Sipek.

 

Österreichischer Agraraußenhandel: Österreichischer Agrar-Außenhandel Jänner 26

 

Exportentwicklung Österreich: AH-Agrar-LM-1-9-2025v

 

Verlangen von der EU echte Vereinfachungen statt kosmetischer Korrekturen (v. l.): Landwirtschaftskammer Österreich-Präsident Josef Moosbrugger, Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig und der Obmann des Landwirtschaftsausschusses, Georg Strasser

 

2026: Jahr der Weichenstellungen für EU-Landwirtschaft
Die Grüne Woche ist seit ihrer Gründung vor 100 Jahren auch jeweils ein Treffpunkt für die Spitzen der Agrarpolitik auf nationaler und internationaler Ebene. Auch Österreichs Agrarspitze war in Berlin vertreten: Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig, Landwirtschaftskammer Österreich-Präsident Josef Moosbrugger und der Obmann des Landwirtschaftsausschusses, Georg Strasser, setzten ein klares Zeichen für die Sicherung des Standorts Österreich und die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Landwirtschaft.

Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig dazu: „2026 ist das Jahr der Weichenstellungen und der Chancen für die EU-Landwirtschaft. Jetzt wird entschieden, wie die nächste Gemeinsame Agrarpolitik aussieht und wie das EU-Budget gestaltet wird. Ich kämpfe auf EU-Ebene für ein ausreichend dotiertes, zweckgebundenes Agrarbudget, für den Erhalt der ländlichen Entwicklung sowie für verlässliche Rahmenbedingungen und Stabilität für unsere bäuerlichen Familienbetriebe.“

Totschnig weiter: „Europas Bäuerinnen und Bauern stehen unter massivem Druck: Sinkende Erzeugerpreise, steigender Wettbewerb und wachsende bürokratische Auflagen belasten die Betriebe zunehmend. Zusätzliche Herausforderungen entstehen durch das Handelsabkommen Mercosur, die den Konkurrenzdruck durch ein Freihandelsabkommen mit einem agrarischen Billigproduzenten mit schlechteren Produktionsstandards weiter erhöhen.“

Herkunftskennzeichnung als Schlüssel für fairen Wettbewerb

Bundesminister Norbert Totschnig hat sich bis zuletzt klar gegen das Handelsabkommen ausgesprochen und sich für strengere Schutzmaßnahmen eingesetzt. Durch den Druck Österreichs und die Initiative verbündeter Staaten konnten diese auch verankert werden.

„Wir sind ein Qualitätsproduzent und stellen hochwertige Lebensmittel her. Wenn südamerikanische Ware mit österreichischen Qualitätsprodukten konkurriert, müssen Konsumentinnen und Konsumenten auf einen Blick erkennen können, woher ein Produkt stammt und sich bewusst für österreichische Produkte entscheiden können“, so Totschnig. Daher forderte er eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung in der gesamten EU: „Herkunftskennzeichnung ist kein Detail, sondern ein zentraler Wettbewerbsfaktor. Wer nach höchsten Standards produziert, muss im Regal auch sichtbar und wählbar sein“.

Mehr Wettbewerbsfairness bei Betriebsmitteln und Standards gefordert
„Versorgungssicherheit ist Sicherheit, was gerade in diesen weltpolitisch turbulenten Zeiten berücksichtigt werden sollte. Die Europäische Kommission muss daher dringend handeln, um die Wettbewerbsfähigkeit und Zukunftsfitness der europäischen Landwirtschaft wieder zu verbessern. Derzeit sorgt sie nämlich verstärkt für minderqualitative und dadurch billigere Konkurrenzprodukte bei gleichzeitiger Verteuerung zentraler Betriebsmittel wie Dünger. So geht es nicht weiter“, kritisierte LK Österreich-Präsident Josef Moosbrugger, der sich für vergleichbare Standards bei Importprodukten, echte Vereinfachungen statt kosmetischer Korrekturen und Zukunftsperspektiven für die bäuerlichen Familienbetriebe aussprach.

„Mehr Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft und Industrie kann nicht auf Kosten der Landwirtschaft geschaffen werden. Wenn etwa die europäischen Düngemittel-Hersteller geschützt werden, darf das nicht zu noch höheren Betriebsmittelkosten für die ohnehin unter den niedrigen Erzeugerpreisen leidenden Ackerbauern führen. Diese Maßnahme muss dringend ausgesetzt werden“, forderte Moosbrugger, der sich auch für mehr Wettbewerbsfairness innerhalb der EU ausspricht, was etwa die Energie-, Treibstoff- und Lohn(neben)-Kosten für die land- und forstwirtschaftlichen Betriebe betrifft.

Schleuderpreise gefährden Existenzen

Der Obmann des Landwirtschaftsausschusses, Abgeordneter zum Nationalrat Georg Strasser ergänzte: „Wenn der Handel weiter auf Schleuderpreise setzt, sperren Betriebe zu und die Produktion wandert ab. Für Konsumentinnen und Konsumenten sind das an der Kasse oft nur wenige Cent, für unsere Bauernfamilien geht es um Existenzen. Beste heimische Lebensmittel gibt es nicht zum Nulltarif. Es geht um einen fairen Anteil der Bäuerinnen und Bauern am Verkaufspreis. Wer täglich beste Qualität aus Österreich, kurze Wege und hohe Standards will, muss anerkennen, dass Lebensmittel einen Wert haben. Rabattschlachten bei Grundnahrungsmitteln dürfen nicht länger Geschäftsmodell sein, weil sie am Ende genau jene treffen, die täglich hart arbeiten und auch das Risiko tragen.“

Abschließend hielten Totschnig, Moosbrugger und Strasser fest: „Im Mittelpunkt stehen die Menschen auf den bäuerlichen Familienbetrieben. Sie müssen produzieren können und dürfen und müssen für ihre harte Arbeit fair entlohnt werden. Dafür setzen wir uns konsequent ein, in Österreich und auf europäischer Ebene.“

 

Fotos: AMA-Marketing / Thomas Weinhold; BMLUK/Hemerka, Lumentis