Die Festrede der deutschen Kollegin Anne Kokenbrink, Wirtschaftsredakteurin der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, ist einer der Höhepunkte am Fest des Agrarjournalismus mit der Verleihung der Eduard-Hartmann-Preise 2025 bzw. der Josef-Steininger-Urkunden am Donnerstag, 4. Dezember 2025 im Raiffeisen-Haus Wien.

 

 

Kokenbrink betitelt ihre Ausführungen „Fakten, Vorurteile, Schlagzeilen: Agrarjournalismus in Fach- und Tagesmedien als Balanceakt“. Dabei stellt sie die Frage, wie es gelingen könne, landwirtschaftliche Themen so zu vermitteln, dass sie über die eigene Fachwelt hinaus wahrgenommen werden und nicht im Strom der Schlagzeilen untergehen?

Kaum eine Branche steht so sehr im Kreuzfeuer öffentlicher Debatten wie die Landwirtschaft. Zwischen Romantisierung und Skandalisierung, zwischen Fachsprache und „Clickbait“, prallen die Interessen von Bauern und Medien scheinbar unversöhnlich aufeinander. Während viele Zeitungen um Reichweite und Abos kämpfen, fühlen sich Landwirte nicht selten missverstanden. Ihre Anliegen erscheinen entweder zugespitzt oder verklärt.

 

 

Die Festrednerin, die 29-jährige Journalistin Anne Kokenbrink kennt beide Seiten des Journalismus: Zunächst arbeitete sie als Redakteurin beim Fachmagazin „top agrar“, inzwischen ist sie seit zweieinhalb Jahren im Wirtschaftsressort der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ für das Thema Landwirtschaft zuständig. Aufgewachsen auf einem Betrieb mit Schweinemast und Ackerbau, pendelt sie heute regelmäßig zwischen Frankfurt und dem Land. Dabei wechselt sie immer wieder die Perspektive zwischen Stadt und Land. Der Blick durch die „Städter-Brille“ hilft ihr, landwirtschaftliche Themen aus einer anderen Sichtweise zu verstehen.

Anne Kokenbrink erläutert, warum die klassischen Kommunikationsmuster der Landwirtschaft oft ins Leere laufen und weshalb es an der Zeit ist, dass die Branche an ihrer Sprache arbeitet. Dass das nötig ist, haben nicht zuletzt die großen Bauernproteste 2024 gezeigt. Sie plädiert dafür, dass Landwirte den Mut haben, sich als Menschen mit überraschenden Geschichten zu zeigen. Dann werden auch technokratische Begriffe wie „Veredlung“ oder „Düngebedarf“ für den Otto Normalbürger greifbarer.

 

 

Ein weiteres Thema ihres Vortrags: Wie Künstliche Intelligenz im journalistischen Alltag bei der F.A.Z. schon heute eingesetzt wird, wo die Grenzen liegen und wie sich der Journalismus durch KI und Digitalisierung verändern könnte.

Also: Hingehen und anhören.

 

Fotos: Privat