Im Rahmen eines von der Europäischen Kommission organisierten Informationsseminars trafen sich vergangene Woche 15 ausgewählte Agrarjournalistinnen und -journalisten aus mehreren EU-Mitgliedstaaten in Brüssel. Österreich wurde durch Christian Moser (Rinderzucht Tirol) und Markus Habisch vertreten.

Im Mittelpunkt standen die internationalen Handelsbeziehungen der EU, aktuelle agrarpolitische Entwicklungen sowie die Auswirkungen neuer Freihandelsabkommen auf die europäische Land- und Ernährungswirtschaft.

 

 

Handelspolitik und Safeguards
In den Fachgesprächen mit hochrangigen Vertreterinnen und Vertretern der Generaldirektion Handel wurde die zentrale Rolle des Außenhandels betont: Rund die Hälfte des EU-BIP hängt direkt mit Außenhandelsaktivitäten zusammen. 44 Freihandelsabkommen machen die EU zum größten Handelsnetzwerk der Welt.

Besonders diskutiert wurden sensible Bereiche wie Rind- und Geflügelfleisch, in denen künftige Abkommen – etwa mit Mercosur – durch strenge Quoten und Schutzklauseln (Safeguards) abgesichert werden sollen.

 

Christian Moser und Markus Habisch hatten auch die Gelegenheit, mit Handelskommissar Maroš Šefčovič ins persönliche Gespräch zu kommen

 

EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič unterstrich, dass europäische Standards bei Lebensmittelsicherheit und Nachhaltigkeit nicht zur Disposition stehen und in keinem Abkommen abgesenkt werden.

Milchmarkt und globale Entwicklung
Ein Schwerpunkt galt dem Milchsektor. Die EU ist weiterhin der größte Kuhmilchproduzent weltweit und gehört – neben Neuseeland – zu den wichtigsten Exporteuren von Butter, Käse und Milchpulver. Diskutiert wurden Fragen der Selbstversorgung, der wachsenden Bedeutung von Exportmärkten sowie die Auswirkungen klimarelevanter Instrumente wie ETS II auf die Milchwirtschaft.

Ukraine: Marktzugang und Standardangleichung
Im Zusammenhang mit dem vertieften Handelsrahmen mit der Ukraine wurden Marktzugang, Sicherheitsfragen und die schrittweise Angleichung ukrainischer Produktionsstandards an EU-Regelwerke bis 2028 thematisiert. Die Kommission betonte, dass Liefermengen und sensible Produktgruppen weiterhin eng überwacht und gegebenenfalls begrenzt werden.

Einladung zum Gauderfest an Kommissar Hansen
Ein besonderes Signal aus Österreich setzte Christian Moser, der im Namen der Tux-Zillertaler Züchter die Einladung zur Tux-Zillertaler Gauderfestschau 2026 an den EU-Kommissar für Landwirtschaft Christophe Hansen überbrachte. Symbolisch überreichte Moser einen traditionellen Hut mit Hahnenfeder an den stellvertretenden Kabinettschef Johannes van den Bossche. Die Hahnenfeder war früher das Siegersymbol beim Kuhstechen der „Moarkuh“ am Gauderfest. Begleitend stellte er das landwirtschaftliche Programm mit der Tux-Zillertaler Gauderfestschau, der großen Gebietsschau des Zillertaler Sprengels und dem abschließenden Festumzug vor.

Besonderes Interesse in Brüssel fand auch die laufende UNESCO-Einreichung des Kulturgutes „Tux-Zillertaler Zucht“, deren über 200-jährige Geschichte die Bedeutung dieser Tiroler Urrasse eindrucksvoll dokumentiert.

 

Fotos: Markus Habisch, Olof Gill