Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Forschungstransfer und Journalismus diskutierten kürzlich in Bonn über den Innovationstransfer in der Landwirtschaft. Begleitet wurde die Podiumsdiskussion von der Präsentation innovativer Projekten, darunter auch dem EU-FarmBook. Organisiert wurde die Veranstaltung vom Projekt EU-FarmBook, dem Europäischen Netzwerk der Agrarjournalisten ENAJ und der Fakultät für Agrar-, Ernährungs- und Ingenieurwissenschaften AEl der Universität Bonn.

 

Das Team von EU-FarmBook präsentiert das Projekt während des Marktplatzes der Ideen auf der ENAJ/EU-FarmBook-Presseveranstaltung

 

Rund 60 Gäste aus Wissenschaft, Wirtschaft und Journalismus wurden von Professor Dr. Niklas Möhring, Prodekan für Forschung und Nachwuchsförderung der Fakultät AEl der Universität Bonn, Prof. Dr. Pieter Spanoghe vom Department Pflanzen und Nutzpflanzen der Universität Gent und Yanne Boloh, Direktorin der Presseagentur Philéas Info, Journalistin und Vorsitzende des Europäischen Netzwerks der Agrarjournalisten ENAJ, begrüßt.

Die zentrale Frage, der sich die Podiumsteilnehmer unter der Moderation von Prof. Dr. Katharina Seuser widmeten, lautete: Wie gelingt der Transfer von Innovationen in die landwirtschaftliche Praxis? Wie kann EU-FarmBook zum Erfolg werden?

Prof. Dr. Pieter Spanoghe, Professor an der Universität Gent und Koordinator von EU-FarmBook, unterstrich die Bedeutung des Innovationstransfers: „Europaweit werden Milliarden in die Agrarforschung investiert. Ohne robuste Mechanismen zur Umsetzung der Ergebnisse in die Praxis bleibt ein Großteil dieses Wissens in Berichten gefangen und für diejenigen, die davon profitieren könnten, unzugänglich. Diese Diskrepanz gefährdet die eigentliche Wirkung der Forschung.“

Die digitale Plattform EU-FarmBook soll zu einem zentralen Instrument für den Innovationstransfer werden. Der Start ist für Ende des Jahres geplant, so Spanoghe.

 

Professor Dr. Niklas Möhring, Vizedekan für Forschung und Karriereentwicklung der Fakultät AEl der Universität Bonn, begrüßte die Gäste

 

Projektorganisatoren aus der gesamten EU laden derzeit praktische Informationen hoch, die dann in allen EU-Sprachen abgerufen werden können. Spanoghe sagte: „EU-FarmBook ist mehr als ein digitales Archiv – es wird zur Referenz für Land- und Forstwirte sowie Berater, die nach praktischen, forschungsbasierten Lösungen suchen. Es ist eine mehrsprachige, frei zugängliche Plattform, die die Lücke zwischen EU-finanzierter Forschung und denjenigen schließt, die sie vor Ort am dringendsten benötigen.“

Prof. Dr. Heiner Kuhlmann, Sprecher des Exzellenzclusters PhenoRob und Leiter der Arbeitsgruppe Geodäsie am Institut für Geodäsie und Geoinformation IGG der Universität Bonn, betonte die Bedeutung der Grundlagenforschung als Grundlage für praxisnahe Innovationen. Der Innovationstransfer stehe vor vielen Hindernissen. Eines davon sei der Mangel an Ressourcen. Zu EU-FarmBook sagte er: „Es ist nicht einfach, EU-FarmBook zum Erfolg zu führen, und ich habe keine einfache Lösung. Meiner Meinung nach sind viel persönliches Engagement und Kontakte erforderlich.“

Dr. Leonie Göbel, Beraterin für EIP-Agri* und AKIS** beim Deutschen GAP-Netzwerk DVS, unterstrich die Bedeutung landwirtschaftlicher Netzwerke: „Heute gibt es in Deutschland rund 500 Innovationsprojekte im Rahmen von ElP-Agri und mehrere Tausend in der EU. Die Idee dahinter: Wenn wir Land- und Forstwirte von Anfang an einbeziehen, werden Innovationen viel schneller umgesetzt und verbreitet.“ Leonie Göbel ist begeistert davon, die richtigen Projekte und Menschen zusammenzubringen. „In Zeiten knapper Ressourcen sind ein starkes Netzwerk und Raum für Austausch wichtiger denn je, um innovative, nachhaltige und widerstandsfähige landwirtschaftliche Praktiken zu entwickeln“, sagte sie. Leonie Göbel ist überzeugt, dass EU-FarmBook erfolgreich sein kann, aber „beschleunigt“ werden muss. Sie schlägt daher vor, die Plattform so bald wie möglich zu testen.

Peter Dissenbacher, Gründer und CEO der WeGrow Group, bestätigte die Bedeutung wissenschaftsbasierter Innovationen. Er ist überzeugt, dass in der Agrarforschung zwar oft Spitzenwissen generiert wird, dieses aber allzu oft innerhalb der akademischen Grenzen verbleibt. „Um etwas zu bewegen, brauchen wir Systeme, die Wissen ermöglichen und es ermöglichen, Prototypen, Produkte, Start-ups und politische Maßnahmen zu entwickeln“, sagte er und appellierte: „Forschung entfaltet ihr volles Potenzial erst, wenn sie in die Praxis umgesetzt wird – und dafür brauchen wir ein Innovations-Ökosystem, das starke Brücken zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft schlägt.“ „EU-FarmBook wird erfolgreich sein, wenn Landwirte mindestens ein Beispiel sehen, bei dem die Informationen auf der Plattform einem Landwirt geholfen haben.“

Yanne Boloh, Journalistin und Direktorin der französischen Nachrichtenagentur Phileas Info, vertrat das Europäische Netzwerk der Agrarjournalisten ENAJ auf dem Podium. Sie gab zudem Einblicke in die Innovationsberichterstattung in Frankreich. Innovationen werden als sehr wichtig erachtet, und deshalb ruft der französische Verband der Agrarjournalisten AFJA seit 2018 dazu auf, Artikel und Berichte über zukunftsweisende und innovative Themen aus den Bereichen Landwirtschaft, Umwelt, Ernährung und ländliches Leben für den Preis „Graine d’innovation“ (Saat der Innovation) einzureichen. Diese Innovationen eröffnen Chancen, werfen aber auch Fragen auf. Und genau hier kommen Agrarjournalisten ins Spiel: Sie vernetzen, übersetzen und vermitteln diese komplexen Themen klar, fair und einfühlsam. Boloh sieht großes Potenzial in der Plattform EU-FarmBook, da sie Journalisten gute Geschichten für Landwirte liefert, Journalisten aber nicht ersetzen wird.

Prof. Dr. Aneta Suchon, Juristin und Professorin an der Adam-Mickiewicz-Universität in Posen sowie Herausgeberin der landwirtschaftlichen Wochenzeitung Tygodnik Pradnik Rolniczy (Landwirtschaftlicher Wochenratgeber), der derzeit größten Zeitschrift für Landwirte in Polen, bestätigte die Bedeutung von Innovationen für die polnische Landwirtschaft: „In Polen gibt es über eine Million landwirtschaftliche Betriebe, und Innovationen sind notwendig, um diese weiterzuentwickeln, landwirtschaftliche Aktivitäten umweltfreundlicher zu gestalten und die Einkommen der Landwirte zu steigern.“ Die Agrarpresse spiele eine wichtige Rolle bei der Bereitstellung aktueller Informationen und Kenntnisse in Bereichen wie Recht, Wirtschaft, Pflanzenbau und Tierhaltung. Sie trage maßgeblich zur Verbreitung von Informationen über Innovationen in landwirtschaftlichen Betrieben und zur Lösung von Problemen der Betriebsführung bei, sagte sie. EU-FarmBook könne ein Erfolg werden, müsse aber stärker gegenüber den Landwirten beworben werden.

 

Thema der Podiumsdiskussion war der Innovationstransfer in die landwirtschaftliche Praxis

 

Begleitend zur Podiumsdiskussion präsentierten sich 16 Gründungen und Forschungsprojekte auf einem Marktplatz der Ideen im Foyer des Hörsaalzentrums des Campus Poppelsdorf. Die Ausgründungen der Universität Bonn waren mit WeGrow und Ausgründungen aus dem Exzellenzcluster Phenorob prominent vertreten. VisioChick, ein aktuelles Forschungsprojekt der Universität, wurde vorgestellt. VisioChick entwickelt intelligente Brillen, die das Verständnis für Tierwohl verbessern und dabei den visuellen Aspekt in den Mittelpunkt stellen. Garrulus, eine Ausgründung der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, präsentierte eine Drohne, die zur Wiederaufforstung eingesetzt werden kann. Folgende Projekte, Start-ups und Ausgründungen präsentierten sich: EU-FarmBook, PhenoRob, Pheno-Inspect, DynamoBot, VisioChick, AutoDry & Co, Bio-Innovation Park, Greens, WeGrow, A.l.Land, Garrulus, Agvolution, Farminsect, NUNOS, Seedalive und Cacta.eco.

 

Weitere Informationen hier: https://welcome.eufarmbook.eu/

 

Zusammenfassung deutsch: EU-FarmBook ENAJ 22.09.25 deutsch

 

Zusammenfassung englisch: EU-FarmBook ENAJ 22.09.25 engl

 

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Fotos: EU-FarmBook/Jonathan Schmitt