Was kann einen Journalisten in Zeiten des Mercosur-Beschlusses mehr reizen als eine Reise nach Südamerika? Das dachten sich der VAÖ-Vertreter für Internationales, Stefan Nimmervoll, und Christian Moser, Leiter der Kommunikation von Rinderzucht Tirol und Kollege beim Rinderzucht Austria Kuhrier. Folglich nahmen die beiden mit Begeisterung an einer Erkundungsreise, die der brasilianische Schwesterverband Rede Agrojor für die International Federation auf Agricultural Journalists, IFAJ, zusammengestellt hatte, teil.

 

Christian Moser, Rede Agrojor-Organisator Daniel Azevedo Duarte, Stefan Nimmervoll und IFAJ-Präsident Steve Werblow.

 

Grund für die Einladung war das halbjährliche Executive Meeting, also das Vorstandstreffen der einzelnen Mitgliedsverbände, bei dem jedes Land einen Vertreter in die Arbeitssitzungen entsendet. Für Österreich ist dies Stefan Nimmervoll. Darüber hinaus wurde die Reisegruppe auf „Busgröße“ von 50 Personen aufgefüllt, was auch Moser die Chance bot, sich für einen Platz zu bewerben.

 

Jede Farm in der Provinz Sao Paulo muss ein Fünftel ihrer Fläche als Naturwald (ohne finanziellen Ausgleich) stilllegen, erklärt Alina Vick von der Fazienda Estancia. Im Amazonas geht diese Verpflichtung auf 80 Prozent hinauf.

 

Nach einem kurzen Abstecher in die City von Sao Paulo (muss man allerdings nicht extra bereisen) ging es in das Hinterland der Provinz in die Stadt Sao Carlos. Von dort aus strömten die Journalistinnen und Journalisten fünf Tage lang in alle Himmelsrichtungen aus, um die, in dieser Region sehr vielfältige und vergleichsweise kleinstrukturierte Landwirtschaft kennenzulernen. Bekannt ist die Gegend vor allem für ihr Zuckerrohr, es werden aber unter anderem auch Soja und Mais angebaut, Rinder gemästet und gemolken, sowie Orangen und Kaffee geerntet.

 

Rinderwirtschaft auf der Fazenda Santa Rita – 5.200 Tiere, davon 2.200 Laktierende.

 

Die Veranstalter bemühten sich redlich, manche in Europa kursierende Horrorgeschichte gerade zu rücken und die Philosophie einer des intensivsten Agrobusiness der Welt zu erklären. Wichtigster Partner dafür war dabei das bundesweite Forschungsinstitut Embrapa, mit dessen Unterstützung es binnen 50 Jahren gelungen ist, aus einem Zuschussland einen der wichtigsten Exporteure am Weltmarkt zu schaffen. Als Schlüssel dafür werde von Wissenschaftlern und Farmern meist Hochtechnologie und Gentechnik genannt. So soll der Zuckerertrag pro Hektar binnen 20 Jahren verdoppelt werden. In tropischen Gunstlagen träumt man von vier Ernten pro Saison – drei (Soja und Mais, dann Sorghum oder Feldfutter) sind bereits möglich.

 

Zuckerrohr für Ethanol ist das Rückgrat der Produktion in der Region.

 

Auch wenn manches für europäischen Ohren auch befremdlich klingt, ist die Auseinandersetzung mit dem muskulösen Mitbewerber am Markt unabdingbar. Umso größerer Dank geht an Daniel Azevedo Duarto und sein Team von Agrojor, die ein unvergessliches Erlebnis zusammengestellt haben. Zugleich legt die Leistung der Brasilianer bei der Organisation des Executive Meetings die Latte für die kommenden Jahre hoch.

 

Hendlhaxen um umgerechnet 1,82 Euro das Kilo.

 

Immerhin hat der VAÖ die Ausrichtung des Events im Jahr 2030 zugesprochen bekommen. Erste Ideen wurden am Rande des Treffens in Sao Carlos gemeinsam mit IFAJ-Präsident Steve Werblow bereits gewälzt. Wir werden ausgewählte Mitglieder rechtzeitig um Mitarbeit bei der Planung bitten.

 

Fotos: IFAJ, Rede Agrojor, Nimmervoll