Deutschlands bekanntester Agrarblogger „Bauer Willi“ hat verkündet, sich vorerst etwas aus dem Internet zurückziehen zu wollen. Dies meldet das Agrarportal „agrarheute“.

 

 

Landwirt Dr. Willi Kremer-Schillings aus der Nähe von Köln im Rheinland sagte als Bauer Willi seine Meinung zu Themen aus der Welt der Landwirtschaft. Der promovierte Agraringenieur bewirtschaftet einen 40-ha-Ackerbaubetrieb mit Zuckerrüben, Raps und Getreide. Neben seinem Hof bloggte er und schrieb Bücher.

Nun aber hört er auf – zumindest ein bisschen. Auf seiner Homepage sowie im Facebook erklärt er die Beweggründe für das Aus:

 

 

Elf Jahre Bauer Willi – Zeit, einen Gang runterzuschalten
Am nachfolgenden Text habe ich seit langem gearbeitet. Ich habe ihn immer wieder umformuliert, Zeilen gestrichen, andere ergänzt. Vermutlich ist er immer noch nicht ganz fertig, aber er muss jetzt raus.

Liebe Freunde, Wegbegleiter und treue Leser,
alles hat seine Zeit. Am 12. Januar 2015, also vor genau elf Jahren habe ich den ersten Beitrag auf diesem Blog veröffentlicht. Mein Ziel war es immer, Brücken zu bauen – zwischen der Landwirtschaft und den Verbrauchern, zwischen Stall und Supermarkt.

Nach über einem Jahrzehnt intensiver Debatten und wunderbarer Begegnungen habe ich mich entschlossen, das Projekt „Bauer Willi“ in seiner bisherigen Form nicht weiterzuführen.
Elf Jahre sind in der digitalen Welt eine Ewigkeit, und ich merke, dass es Zeit ist, einen Gang runterzuschalten.

Ein Rückblick voller Dankbarkeit
Wenn ich heute zurückblicke, bin ich stolz auf das, was wir gemeinsam erreicht haben. Der Blog und seine vielen Kommentatoren haben der Landwirtschaft ein Gesicht und eine Stimme gegeben und hitzige Debatten durch echte Einblicke geerdet. Dass heute etwas anders über die Arbeit auf dem Acker und im Stall gesprochen wird, ist auch ein Verdienst dieser Community. Dass anders mit den Landwirten gesprochen wird, war aber auch das Ergebnis der „Grünen Kreuze“, die letztendlich 2019 zur großen Bauerndemo in Berlin geführt haben, auch wenn sich dadurch nichts Grundlegendes für die Essensmacher (Ackerbauern, Viehhalter, Obstbauern, Winzer etc.) verbessert hat. Immerhin war es einem Versuch wert. https://www.tagesschau.de/inland/bauernproteste-109.html

Warum ich jetzt den Fuß vom Gas nehme
Ich will ehrlich zu euch sein: Die ständige Präsenz, die Auswahl der Themen und nicht zuletzt die Administration mit all ihren – auch technischen und finanziellen Herausforderungen – kosten Kraft. Ich spüre eine geistige Erschöpfung – eine Müdigkeit, die mir sagt, dass meine Akkus für den täglichen digitalen Schlagabtausch eine Pause brauchen. Ich werde auch dünnhäutiger, vor allem wenn die Kommentare unsachlich, aggressiv oder zynisch werden. Ich weiß, dass sollte ich aushalten. Ich habe das auch über ein Jahrzehnt getan. Aber ich kann und ich will das nicht mehr. Um authentisch zu bleiben, muss man wissen, wann der Punkt erreicht ist, die Tastatur beiseitezuschieben und erst einmal tief durchzuatmen. Und dieser Punkt ist jetzt.

Das Schreiben für den Blog fühlt sich momentan eher nach Arbeit als nach Leidenschaft an. Vieles ist bereits gesagt, eine Wiederholung nicht notwendig und langweilt eher, als dass es neue Aspekte bringt.

Zudem ist Zeit ein begrenztes Gut – Zeit für den Hof, für die Familie und für mich selbst. Diese Zeit möchte ich mir nun nehmen, um wieder mehr Kraft und neue Inspiration zu sammeln.

Kein Abschied, sondern ein Formatwechsel

Ich verschwinde jedoch nicht von der Bildfläche. Mein Herz schlägt weiterhin für den Dialog, nur verlagere ich meinen Schwerpunkt:

 

 

Hinweis: Das Titelbild wurde von einer KI geschaffen und existiert nicht in der Wirklichkeit

 

Fotos: landpixel, imago/Eventpress, Blog Bauer Willi