Nach nach mehr als dreißig Dienstjahren in AMA und AMA-Marketing verabschiedet sich der Fleisch-Experte der AMA-Marketing, Dr. Rudolf „Rudi“ Stückler in den Ruhestand. Er hat Generationen von Journalistinnen und Journalisten, sowohl in den Fach- als auch in den allgemeinen Medien und der Branche selbst jene Informationen geliefert, die notwendig waren, um die Fleischkultur in Österreich weiterzuentwickeln, wofür er Dank und Anerkennung höchsten Ausmaßes verdient.

Dr. Rudolf Stückler studierte Nutztierhaltung an der Universität für Bodenkultur und hängte eine Dissertation im Bereich der Lebensmittelwissenschaft an. Ab 1995 war er in der AMA-Marketing für die Fleisch-, Ei- und Geflügelwerbung zuständig.
Rudi Stückler blickt gegenüber den VAÖ-News zurück: Geboren wurde er 1961 als Sohn einer Landwirtin und eines Lebensmittelkaufmanns in Leoben. Im Alter von 15 Jahren („weil ich so „brav“ war“) war seine schulische Station die HBLA in Raumberg. Nach der Matura und dem Präsenzdienst begann Stückler in der Lagerhausgenossenschaft St. Michael i. d. Obersteiermark zu arbeiten. Er konnte sich allerdings nicht vorstellen, bis zur Pensionierung diesen Job zu machen, erinnert er sich. Daher ging es nach Wien auf die BOKU. Stückler: „Da mein Vater recht früh starb, ich war damals 15, musste ich in den Ferien immer arbeiten, um mir das Studium zu finanzieren. Unter anderem habe ich für die „Agrosserta“ gejobbt, gemeinsam mit meinem Uraltfreund Andi Steidl, was zur Folge hatte, dass ich nach dem Studium dort auch sofort einen Job im Qualitätsmanagement hatte.“ Zum Bereich Fleisch kam er durch einen Auftrag seines damaligen Chefs, der von ihm verlangte, dass er den Fleischbereich der Genossenschaft sanieren soll.
Im Zuge der Fusionierung der Agrarverbände Schärdinger, Agrosserta und Alpi kam Stückler nach Linz und arbeitet dort drei Jahre lang als Produktmanager bei Landhof. Danach leitete er ein Profitcenter mit 30 Mitarbeitern der Vieh und Fleisch Nord (AMF), in dem erstmals in Österreich Frischfleisch in Schutzgasverpackungen produziert und national vertrieben worden ist.
Im Zuge dieser Tätigkeit überzeugte ihn sein Freund Andi Steidl nach Wien zur AMA zu kommen, was er dann auch nach insgesamt fünf Jahren in Linz gemacht hat. Stückler denkt zurück: „Meine Lebensplanung sah damals so aus: maximal fünf Jahre in der AMA, dann wieder zurück in die Steiermark und in die Privatwirtschaft. Aber im Leben kommt es oft anders als geplant. Es sind schlussendlich mehr als 30 Jahre bei der AMA-Marketing geworden.“
Die ersten 18 Jahre unter dem Gründungs-Geschäftsführer Stephan Mikinovic blieben Stückler als die „mit Abstand schönsten und produktivsten“ in Erinnerung. Während dieser Ära hat er auch den Fleischermeister und den Doktor in Lebensmittelwissenschaften gemacht.
Sein Resümee im Rückblick: „Was für mich zählt, ist die Zufriedenheit der Branche und aller Stakeholder. Im Laufe meiner Ära in der AMA-Marketing habe ich, so glaube ich, schon etwas dazu beigetragen, um die Fleischkultur in Österreich weiterzuentwickeln.“
Die Zeit vor dem EU-Beitritt 1995 war für ihn eigentlich Planwirtschaft: „Die Bauernschaft hatte damals Bedenken, ja sogar Ängste, dass die Konsumenten Lebensmittel aus Europa bevorzugen würden. Deshalb haben wir das AMA-Gütesiegel-Programm aufgebaut und den Konsumpatrotismus vorangetrieben. Und das beim Promoten der Lebensmittel, ohne Österreich explizit in den Mund zu nehmen.“
Stückler hat in seiner Ära eine Reihe von Projekten umgesetzt, die nach wie vor nachhaltige Auswirkungen haben. Es sind dies, um ein paar aufzuzählen, die Export-Kataloge für Fleischerzeugnisse und Fleischteilstücke als Werkzeug für die Exporteure analog und digital, es ist dies der AMA-Grillclub als Absatzförderungsinstrument, es sind dies diverse Ausbildungsprogramme für den Lebensmittelhandel und als Speerspitze sei die Diplom-Fleischsommelier-Ausbildung genannt. Weiter auf der Liste sind das AMA-Fleischforum, die AMA-Meat Award-Gala mit den Lukullus-Auszeichnungen, die Organisation und Umsetzung von Fachstudienreisen für führende Köpfe der Fleischwirtschaft, um über den Tellerrand zu schauen und internationale Kontakte zu knüpfen und noch viele andere Projekte.
Zusammenfassend: „Es waren schöne, interessante und anstrengende Jahre, die ich nicht missen möchte. Doch alles hat seine Zeit. Nun sollen die Jungen, die alles besser wissen und eigentlich nur mehr in sozialen Medien unterwegs sind, sich beweisen. Dazu wünsche ich viel Glück.“
Alles hat seine Zeit
Unter dem Titel „Alles hat seine Zeit“ hat die Redakteurin Mag. Kiki Sabitzer vom Magazin „Produkt“ die Laufbahn Rudi Stücklers beleuchtet. Wir zitieren daraus in Ausschnitten:
Alles hat seine Zeit
Rudolf Stückler, ein Urgestein der AMA-Marketing, geht in wenigen Wochen in den wohlverdienten Ruhestand. Die Branche kennt ihn als jemand, der sich – ausgestattet mit Handschlagqualitäten und diplomatischem Gespür – verlässlich für die Qualität von heimischem Fleisch und Fleischwaren eingesetzt hat. „Jetzt“, so Stückler, „sollen aber die Jungen ran.“
Drei Geschäftsführer:innen hat Rudolf Stückler, AMA-Marketing Produktmanager für Fleisch und Fleischwaren, miterlebt und mit ihnen den einen und anderen Fleisch-Skandal durchgestanden, aber auch zahlreiche positive Meilensteine in Sachen Qualität und Standards auf den Weg gebracht. Seit Gründung der AMA-Marketing im Jahre 1995 war schließlich nie jemand anderer in seiner Position – mit Stückler geht daher auch jemand in Pension, der in der Branche bestens vernetzt und bekannt ist. …
ZUSAMMENBRINGEN. Skandale wie die BSE-Krise forderten die Mannschaft der AMA schließlich stark, denn das Vertrauen der Verbraucher:innen wieder zu gewinnen, war eine Aufgabe, die nicht nur starke Kampagnen erforderte, sondern, so Stückler, auch fundierte Informationsarbeit. Schließlich bündelte man auch die Möglichkeiten und präsentierte groß angelegte Kampagnen, die mittlerweile Kultstatus haben, wie etwa die „Fleisch bringt’s“-Kampagne. „Das war eine ganz besonders kreative Phase innerhalb der AMA – es ging an allen Ecken und Enden um Aufbau – sowohl in Sachen Image als auch in Sachen Richtlinien und Kontrollen.“ Projekte wie das AMA-Fleischforum, der Lukullus, der AMA-Grillclub, der Diplom-Fleischsommelier oder auch der PRODUKT Champion, wurden damals ins Leben gerufen. Stückler: „Einer meiner Verdienste war es sicherlich, mit ein bisserl G’spür für die Leute, fundiertem Wissen und Herzblut, die Branche zusammenzubringen – und das ist wichtig, denn nur so können Synergien genutzt und Projekte weitergebracht werden.“ …
Stückler: „Aktuell geht einiges weiter und vieles ist im Umbruch, das ist gut! Aufgrund der gesellschaftlichen Veränderungen wird das Fleisch-Bashing aber leider immer mehr – hier brauchen wir die entsprechenden Antworten.“ …
Einmischen will er sich aber natürlich nicht mehr. Stückler: „Alles hat seine Zeit – ich kann auf 30 schöne Jahre zurückblicken, in denen ich meine Arbeit mit Leidenschaft, Herzblut und gemeinsam mit einem großartigen Team gemacht habe, und ich hoffe, ich habe ein wenig dazu beigetragen, die Fleischkultur weiterzuentwickeln – jetzt sollen die Jüngeren weitermachen, ich wünsche ihnen dabei von Herzen viel Erfolg.“
Fotos: Zur Verfügung gestellt von R. Stückler



