Am 6. September 2026 ist VAÖ-Alt-Präsident Chefredakteur i.R. Prof. Ing. Paul Gruber im 89. Lebensjahr verstorben. Paul Gruber wurde am 2. Februar 1938 in Graz geboren, besuchte die Mittelschule in Knittelfeld, absolvierte anschließend eine landwirtschaftliche Praxis in Thalheim bei Judenburg und maturierte 1959 am Francisco-Josephinum in Wieselburg.

 

 

Unmittelbar nach der Matura begann er seine journalistische Laufbahn in Wien und begann im Österreichischen Agrarverlag bei der Zeitschrift „Landjugend“. 1961 leistete er seinen Präsenzdienst bei der damaligen Maturantenkompanie in Salzburg-Glasenbach und danach im Ministerbüro des Verteidigungsministers ab. Ab 1. Jänner 1967 übersiedelte er als Redakteur des „Österreichischen Bauernbündlers in den NÖ. Bauernbund. 1970 wird Gruber Chefredakteur des Bauernbundkalenders.

Nach dem Ausscheiden der damaligen „Bauernbündler“-Chefredakteurin Dr. Therese Kraus wurde er 1982 auch zum Chefredakteur der Wochenzeitung „Der Österreichische Bauernbündler“ bestellt (die Zeitung heißt seit der Reform 2001 „Österreichische Bauernzeitung“) und bekleidete diesen Posten bis zum Jahr 2002.

Paul Gruber war darüber hinaus ein anerkannter Schriftsteller und hat seit 1970 mehrere Romane und Jugendbücher veröffentlicht und rund 20 Hörspiele geschrieben.

Neben seiner beruflichen Tätigkeit als Journalist war Gruber kulturell vielfältig tätig. So wurde er 1975 zum stv. Leiter der Arbeitsgemeinschaft Literatur im NÖ Bildungs- und Heimatwerk gewählt. Von November 1980 bis Oktober 1998 übte er die Funktion des Obmannes des Verbandes ehemaliger Hörer am Francisco-Josephinum (Wieselburg; NÖ) aus, dem rund 6.000 Mitglieder angehören.

Im April 1980 wurde er zum Vizepräsidenten des Verbandes der Agrarjournalisten in Österreich und 1989 zum Präsidenten des Verbandes der Agrarjournalisten Österreichs gewählt und hatte dieses Amt 13 Jahre lang bis zum Jahr 2002 inne.

Hohe und höchste Auszeichnungen
1965 wurde ihm die Standesbezeichnung „Ingenieur“ zuerkannt. 1988 erhielt Paul Gruber die Große Silberne Kammermedaille der „Niederösterreichischen Landes-Landwirtschaftskammer“. Im selben Jahr wurde ihm der Eduard-Hartmannpreis für agrarjournalistische Leistungen verliehen. 1990 wurde er in Würdigung seiner Arbeit als Chefredakteur und als Schriftsteller zum Professor ernannt. Im Februar 1998 wurde ihm zum 60. Geburtstag das Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich von Landwirtschaftsminister Molterer und das Goldene Ehrenabzeichen des NÖ. Bauernbundes überreicht. 2002 überreichte ihm Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll das „Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um das Bundesland Niederösterreich“. Bei der „Eduard Hartmann Preisverleihung“ 2002 wird Prof. Ing. Paul Gruber schließlich mit dem „Goldenen Ehrenring“ des VAÖ ausgezeichnet. Außerdem wurde beschlossen, den langjährigen Präsidenten des VAÖ, Prof. Ing. Paul Gruber mit dem Goldenen Ehrenring auszuzeichnen. Paul Gruber ist somit der zweite Ehrenring-Träger in der mehr als fünfzigjährigen Geschichte des Verbandes.

VAÖ: Verjüngung und Professionalisierung
In Grubers dreizehnjähriger Präsidentschaft hat der Verband eine kräftige Verjüngung und Professionalisierung erfahren. Gruber rief nicht nur die VAÖ-Kongresse ins Leben, die viele Jahre hindurch in den Bundesländern abgehalten wurden und dem fachlichen und persönlichen Erfahrungsaustausch dienten, er schuf auch die „Josef-Steininger-Urkunde“, einen Preis, der nach wie vor für besondere Verdienste um den Agrarjournalismus vergeben wird. Unter seiner Präsidentschaft wurde auch der Nachwuchs-Förderung besonderes Augenmerk geschenkt, was sich in Jungjournalisten-Exkusionen ebenso manifestierte, wie im beliebten Jungjournalisten-Heurigen, dem auch ältere Semester gerne beiwohnten.

Wesentlich geprägt hat Gruber den Agrarjournalistenverband durch seinen stets gepflegten persönlichen und beruflichen Stil: Paul Gruber stellte niemals eitle Selbstdarstellung in den Mittelpunkt, sondern zeigte stets volles Engagement im Dienste der Sache. Diese außerordentlich sympathische Form der Arbeits- und Lebensauffassung bei ihm war gepaart mit einem festen Standpunkt, der ohne Abstriche pragmatische Lösungen zuließ. Paul Gruber war im Annehmen von Herausforderungen mutig und hatte keine Scheu, stets Neues zu beginnen.

Kulturelles Engagement
Gruber engagierte sich weiters für Veranstaltungen, die gleichzeitig hohen fachlichen aber auch höchsten kulturellen Ansprüchen Rechnung trugen (z.B.: Lesungen bekannter Autoren abseits der Ballungszentren). Als Buchautor mit internationalen Erfolgen hat er Gemeinden, Regionen und Menschen aus seinem Wahl-Bundesland Niederösterreich in den Mittelpunkt der Handlungen seiner Bücher gerückt (z. B.: „Abendzug nach Wien“, „Der blaue Sessellift“, „Land vor der Stadt“, „Das Juwel“ u. v. a.).

Als Funktionär des Verbandes ehemaliger Hörer am Francisco-Josephinum (Wieselburg; NÖ) hat er einer pädagogischen Einrichtung weit über die Grenzen des Landes hinaus Bekannt- und Beliebtheit verschafft. In die Zeit seiner Obmannschaft (1980 bis 1998) fielen die von ihm initiierten Josephiner-Reisen, die Josephiner-Nachrichten und die „Josephinertreffen mit Damen“.

 

 

Bauernbundkalender: 52 Jahre Chefredakteur
Nach dem Pensionsantritt wollte Gruber auch die Chefredaktion des Bauernbundkalenders zurücklegen, die er seit 1970 ausgeübt hatte. Doch die Direktoren Johann Penz und auch seine Nachfolgerin Klaudia Tanner (später Ministerin für Landesverteidigung) ersuchten ihn, weiterzumachen, bis er dann im Jahre 2022, nachdem er als Schriftleiter insgesamt 52 Kalender vorgelegt hatte, auch diese Aufgabe beendete.

Ab 2000: „Forum Land“
Im November 2000 wurde auf Initiative von Bauernbunddirektor Hans Penz die Aktion „Forum Land“ mit fünf Arbeitskreisen gegründet. Den Arbeitskreis „Kultur in den Dörfern“ übernahm Gruber und schuf sich damit ein umfassendes Arbeitsfeld für seine Pension, die er offiziell im Februar 2003 antrat. Für diese Tätigkeit war jedoch ein Zeitaufwand nötig, der phasenweise einer Vollzeitbeschäftigung nahekam. Es seien erwähnt: Der Forum Land-Literaturpreis, Initiative gemeinsam mit dem NÖN-Kulturredakteur Thomas Jorda. Als Vorsitzende der Jury agierten Alois Brandstetter und später Alfred Komarek. 30 Kultur-Kulinarien in allen Regionen Niederösterreichs. „ABBA“ (Aktuelle Begegnung mit Büchern und Autoren), eine Aktion für Pflichtschullehrer, die dabei renommierte Jugendbuchautoren kennenlernen konnten. Broschüren über die rund 100 privaten bäuerlichen Museen, und über die Laientheater Niederösterreichs. „Tage des Amateurtheaters“, am Brandlhof und in Sieghartskirchen. Aktionen, um Kindern das Lesen zu erleichtern und um kleine Leihbibliotheken zu fördern. „Gutensteiner Gespräche“ (Initiator: Ernst-Wolfram Marboe) und als Nachfolge „Landgespräche“ mit renommierten Teilnehmern u.a.m. Alle damals laufenden und weiteren Pläne brachte jedoch die Corona-Pandemie zu Fall.

Im Dienste von vier Direktoren und sechs Obmännern
Sechs Bauernbundobmänner – Alois Schreibenreif, Andreas Maurer, Franz Blochberger, Rudolf Schwarzböck, Hermann Schultes und Stephan Pernkopf – sowie vier Direktoren – Josef Robl, Hans Penz, Klaudia Tanner und Paul Nemecek – hat Professor Gruber mit seiner Arbeit journalistisch begleitet.

Paul Gruber war seit 1967 verheiratet und hinterlässt seine Gattin Josefine mit Töchtern und Enkelkindern.

 

 

Begräbnis 23. September, Friedhof Laxenburg
Die Verabschiedung von Prof. Paul Gruber findet am Mittwoch, dem 23. September 2026, um 11.00 Uhr auf dem Friedhof Laxenburg statt.

 

Parte: Parte Ing. Paul Gerhard Gruber

 

Fotos: NÖ Bauernbund, Privat, Bernhard Michal