Der Wien Studienaufenthalt des Zertifikatslehrgangs „ZAMm unterwegs – Professionelle Vertretungsarbeit im ländlichen Raum“ bot zu Jahresbeginn 2026 rund 80 Bäuerinnen und Bauern aus Niederösterreich, Oberösterreich, der Steiermark und Vorarlberg die Möglichkeit, ihr Wissen über politische Prozesse und agrarpolitische Zusammenhänge zu vertiefen. Zwei Tage lang standen der Besuch von zentralen Institutionen, der direkte Austausch mit Entscheidungsträgerinnen und -trägern, Einblicke in demokratische Abläufe sowie die Stärkung von Kompetenzen im Bereich der Interessenvertretung im Mittelpunkt. „Eine wertvolle Möglichkeit zur Weiterentwicklung für die Bäuerinnen“, sagt eine Teilnehmerin dazu.

 

Die 80 Teilnehmenden treffen den Bundesminister Norbert Totschnig zum Austausch.

 

Der Zertifikatslehrgang „ZAMm unterwegs – Professionelle Vertretungsarbeit im ländlichen Raum“ setzt auf Persönlichkeitsbildung, agrarpolitisches Wissen, Öffentlichkeitsarbeit und Führungskompetenz. Ziel ist es, Frauen zu ermutigen und zu befähigen, Verantwortung zu übernehmen und aktiv an politischen und gesellschaftlichen Prozessen mitzuwirken. Der Lehrgang wurde von der ARGE Österreichische Bäuerinnen initiiert und wird in mehreren Bundesländern vom Ländlichen Fortbildungsinstitut (LFI) umgesetzt.

Mitreden erwünscht: Frauen stärken, Zukunft gestalten
Im Rahmen der Wintertagung des Ökosozialen Forums nahmen die Teilnehmerinnen am Eröffnungstag Agrarpolitik teil, bei dem aktuelle agrarpolitische Fragestellungen im Fokus standen – insbesondere das Spannungsfeld zwischen steigenden Qualitäts- und Umweltstandards, wirtschaftlichem Druck, volatilen Märkten und politischen Zielkonflikten sowie deren Auswirkungen auf die langfristige Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Landwirtschaft und gesellschaftliche Erwartungen an Lebensmittelpreise.

Demokratie erleben: Besuch im Parlament
Bei einer Führung durch das österreichische Parlament erhielten die Bäuerinnen grundlegende Einblicke in demokratische Abläufe und politische Verhandlungsprozesse. Besonders bereichernd war das Gespräch mit Bundesbäuerin Irene Neumann-Hartberger, die über ihre Arbeit als Interessenvertreterin der Bäuerinnen und gleichzeitige Tätigkeit als Nationalratsabgeordnete berichtete und zur aktiven politischen Mitgestaltung ermutigte: „Die aktive Teilnahme von Bäuerinnen am politischen Geschehen ist unverzichtbar. Besonders jetzt, im Internationalen Jahr der Bäuerin 2026, fordern wir dazu auf, die Stimme der Frauen ernst zu nehmen und die Situation der Bäuerinnen in allen Lebensphasen – vom Berufseinstieg bis zur Pension – nachhaltig zu verbessern. Der Lehrgang ‚ZAMm unterwegs‘ stärkt Frauen im ländlichen Raum und gibt ihnen das Rüstzeug, Veränderungen aktiv mitzugestalten“, so Neumann-Hartberger.

 

 

Dialog auf Augenhöhe im Ministerium
Im Landwirtschaftsministerium standen hochrangige Kontakte mit Bundesminister Norbert Totschnig, Ferdinand Lembacher (LK Österreich), Christina Mutenthaler-Sipek (AMA-Marketing) und Franz Waldenberger (SVS und LK Oberösterreich) auf dem Programm. In der Diskussion nutzten die Teilnehmerinnen die Möglichkeit, direkt mit den Verantwortlichen ins Gespräch zu kommen. „Besonders gefallen hat uns die Wertschätzung gegenüber uns Bäuerinnen und der offene Austausch“, fassen zwei Teilnehmerinnen zusammen.

 

 

„Unsere nachhaltige Land- und Forstwirtschaft ist gut aufgestellt. Es braucht engagierte Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und sich aktiv in die Prozesse einzubringen. Unsere Bäuerinnen leisten dabei einen wesentlichen Beitrag. Es sind vor allem die Frauen in der Landwirtschaft, die auf Diversifizierung setzen, offen für Neues sind und mit Optimismus sowie Zuversicht vorangehen. Der ZAMm-Lehrgang ist ein Paradebeispiel für die Stärkung weiblicher Kompetenz im ländlichen Raum. Er vermittelt Wissen, fördert den Dialog und stärkt Frauen in ihrer aktiven Rolle bei der Mitgestaltung unserer Agrar- und Regionalpolitik. Ich wünsche allen Bäuerinnen, weiterhin mit Mut, Optimismus und Tatkraft in die Zukunft zu blicken“, so dazu Minister Totschnig.

 

 

Austausch, Vernetzung und neue Perspektiven
Ein Stadtrundgang durch Wien und der Austausch mit der Wiener Landesbäuerin Anneliese Schippani brachte die Perspektive der urbanen Landwirtschaft ein und zeigte auf, wie Bäuerinnen auch im städtischen Raum als Brückenbauerinnen zwischen Stadt und Land wirken. Gleichzeitig bot die Exkursion Raum für Austausch und Vernetzung über Bundesländergrenzen hinweg, wodurch die Teilnehmerinnen wertvolle Impulse für ihr weiteres Engagement mitnehmen konnten. „Zwei eisige Tage in Wien, aber viele herzerwärmende Begegnungen“, ist das Fazit einer Teilnehmerin.

 

Fotos: Ralf Eckhardt, Hemerka BMLUK, Ines Jernej LKÖ