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IFAJ-Reise nach China: Hell & Habisch dabei

Die VAÖ-Mitglieder Mag. Elisabeth Hell („Raiffeisenzeitung“) und Ing. Markus Habisch („Neues Land“) nahmen teil an der E4D-Reise („Exposure for Development“-trip) des internationalen Agrarjournalisten-Verbandes IFAJ nach China.

Im Teil 1 bringen wir eine Zusammenfassung von Liza Karlsson, „Außenministerin“ des schwedischen Agrarjournalistenverbandes FSLJ, die diese auf der IFAJ-Homepage veröffentlich hat. Und wir veröffentlichen jene Story, die Markus Habisch aus der Reise gemacht hat (auch als pdf). Im 2. Teil folgt dann die Geschichte von Elisabeth Hell.

Zusammenfassung Liza Karlsson, Schweden:

E4D trip to China a big success
China is a vast and very interesting country. Eleven journalists from ten countries around the world experienced that during eight days in the Beijing, Changzhou and Shanghai areas in late September 2016. We met farmers, farm workers, coop members and staff from distributors and companies like AGCO (sponsor of the whole tour) and DeLaval.

We got an insight of how China, a land of possibilities, not only progresses in using technology. Even though many farms still are small and family driven, China is taking big leaps in the use of technology, IT and management tools. In many ways of development they are behind the countries in North America and in Europe, but at the same time they are catching up and are ahead of us. We visited a variety of operations, from dairy farms to agricultural mechanization cooperatives, we met industrial leaders as well as a local vegetable farmers. We also had the time to explore the Chinese Great Wall and visited the Forbidden City.

Joining an E4D tour (IFAJ Exposure-4-Development tour) gives you a really unique opportunity to explore and learn about a nation, its people, food production and agricultural challenges and opportunities. At the same time you get to know agricultural journalists from other countries – this year Austria, Australia, USA, Canada, Belgium, Spain, Norway, Finland, UK and Sweden were represented. You get new knowledge, new friends and you get a lot of new stories to write when you get back home. In many ways, it is a life changing experience.

 

Bericht Markus Habisch, „Neues Land“

Zwischen Drohnen und Traditionen
China ist ein enormer Wachstumsmarkt und immer mehr Chinesen wünschen sich Lebensstandards, wie sie sie aus Europa kennen.

Eine mehrtägige Pressereise des Internationalen Agrarjournalistenverbandes nach China vermittelte unglaublich viele wichtige Eindrücke und Erfahrungen. Man stelle sich vor: Mehr als 1,4 Milliarden Menschen leben in diesem riesigen Land und damit sage und schreibe 22 Prozent der gesamten Weltbevölkerung. Die Gesamtfläche des Landes: 9,5 Millionen Quadratkilometer. Zum Vergleich: Österreich bringt es auf 84.000.

All unsere Vorstellungen, die wir zum Teil noch von diesem Land haben, sind – so zeigte sich auf dieser Reise – völlig überholt. Längst nicht  mehr müssen die Leute dort, wie früher einmal, mit einer kärglichen Tasse Reis am Tag auskommen. Ihr Tisch ist mittlerweile reich gedeckt: Sehr viele  Chinesen konsumieren Fleisch, Fisch und vielerlei hochwertig verarbeitete Lebensmittel – und das mit steigender Tendenz. Nach wie vor spielt Reis als Grundnahrungsmittel eine wichtige Rolle. Er wird zum Schluss der Mahlzeit als Sättigungsbeilage gereicht und  hat damit auch symbolischen Charakter.

Auffallend ist, dass sich immer mehr Chinesen an westliche Lebensformen und Ernährungsgewohnheiten anpassen. Da fällt einem natürlich gleich die Sache mit der Milch und den Milchprodukten ein. Wir hören immer wieder, Chinesen vertragen sie nicht. Unsere Erfahrung auf dieser Tour: Stimmt nicht. Im Gegenteil, die Milchwirtschaft erlebt einen wahren Boom. Milch, Joghurt, Trinkmilchprodukte, durchwegs auch sehr geschmackvoll und hochwertig verpackt, sind inzwischen als schnelles, einfaches Frühstück beliebt. Und diese Beliebtheit geht so weit, dass Chinesen auch bereit sind, für Produkte dieser Art in den Supermärkten stattliche Preise zu zahlen. Eine Entwicklung, von der unser österreichischer Milchsektor schon jetzt stark profitiert. In  Import-Statistiken verschiedener Milchprodukte findet sich die Alpenrepublik stets unter den Top sieben der wichtigsten Länder wieder.
Wie wir an interessanten Beispielen vor Ort sehen konnten, verfolgt die Politik in China eine klare Strategie für die Weiterentwicklung der Landwirtschaft. Versorgungssicherheit für die Einwohner steht in diesem Zusammenhang ganz oben auf der Prioritätenliste. Deshalb wird auch die Landwirtschaft wird mit intensivem Aufwand modernisiert und in Rekordtempo auf westliche Produktionsstandards gebracht. China hat ein klares Ziel dazu: Bis 2020 möchte man einen Selbstversorgungsgrad von mehr als 95 Prozent erreichen, was aber alles andere als leicht fallen sollte. Das verdeutlichen Zahlen: 22 Prozent der Weltbevölkerung stehen nicht einmal sieben Prozent der Ackerflächen zur Verfügung.

Die Politik steht unter Erfolgsdruck, denn der Bedarf an Getreideprodukten und Fleisch steigt jährlich um mehr als vier Prozent.  Das lässt sich nur mit radikalen Änderung der Bewirtschaftungsstrategien erreichen, die alle nur ein Ziel kennen: Möglichst hohe Ertragssteigerungen. Das Konzept dazu wird jeweils in operative Fünfjahrespläne gegossen. Der Plan für den Zeitraum von 2016 bis 2020 sieht unter anderem vor, dass die Mechanisierung einen Anteil von mehr als 68 Prozent erreichen soll, bei den drei Hauptfrüchten Weizen, Reis und Mais soll sie sogar auf über 80 Prozent steigen. Ein Beispiel dafür ist der forcierte Einsatz von Drohnen zum Pflanzenschutz in Reis- und Getreidefeldern. Eine Drohne ersetzt bis zu 40 bäuerliche Arbeiter und hat sich, wenn man deren Einkommen gegenüberstellt, bereits nach neun Einsatztagen amortisiert.

Wie schwer die gesteckten Ziele erreichbar sein werden wird einem auch klar, wenn man beispielsweise sieht, dass der von Hand geerntete Mais in weiten Teilen des Landes noch am Boden zum Trocknen aufgelegt wird und die Leute in ihren kleinen Reis- und Gemüsefeldern noch per Handarbeit den Pflanzenschutz besorgen.

Unser wichtigster Eindruck: China ist – wie auch immer man die diversen Prognosen interpretiert – ein interessanter Zukunftsmarkt.

Artikel:Neues Land 2016

 

 

 





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