Logo Agrar Journalisten

Exportchance Japan

Kürzlich konnte Markus Habisch Agrarkommissar Phil Hogan auf einer sogenannten High Level Mission nach Japan begleiten.

Diese Reisen sind als Unterstützung der EU-Kommission für europäische Genossenschaften und Verarbeitungsbetriebe zur Erschließung neuer Exportmärkte gedacht. Gerade Japan scheint hier aus mehreren Gründen eine Chance für hochwertige europäische Lebensmittel zu sein.


Ein wesentlicher Grund, genauer ins sogenannte „Land der aufgehenden Sonne“ zu schauen ist die Tatsache, dass in Japan bis auf Reis praktisch alle benötigten Lebensmittel in großen Mengen importiert werden müssen. Die Eigenversorgungsraten sind in allen Sparten sehr niedrig. Außerdem trat mit Februar 2019 das EU-Japan EPA (EU-Japan Economic Partnership agreement) genannte Freihandelsabkommen in Kraft, das in den wichtigsten Importgruppen sukzessiven Abbau von Mengenbeschränkungen und aktuell teilweise exorbitant hohen Importzöllen zum Ziel hat. Die europäischen Bauernfamilien brauchen aufgrund der vorher schon geäußerten Importabhängigkeit Japans im Lebensmittelbereich keine Angst zu haben, denn bis auf den Sake genannten japanischen Reiswein sind von asiatischer Seite im Lebensmittelbereich keine Exportambitionen vorhanden. Den Japanern geht es hauptsächlich um Autos, Industrie- und Elektronikerzeugnisse.

So konnte die Delegation interessante Fakten zum japanischen Lebensmittelmarkt, der trotz der langsam schrumpfenden Einwohnerzahl einerseits mengenmäßig wächst und andererseits immer mehr Wert auf hohe Lebensmittelqualität legt und  zu den hohen Hygiene- und Verarbeitungsstandards, die bei Lebensmitteln erwartet werden, erfahren und sich nicht zuletzt einen persönlichen Eindruck von der liebevollen Präsentation der Lebensmittel in den Supermärkten machen. Neben dem Besuch des größten Fischmarktes der Welt in Tokio standen auch Besichtigungen bei und Gespräche mit japanischen Lebensmittelimporteuren und Supermarktbetreibern, die ebenfalls sehr interessante Einblicke zu den Gewohnheiten der japanischen Konsumentinnen und Konsumenten vermitteln konnten, auf dem Programm.

Der sukzessive Abbau von Importzöllen, unter anderem für Molkereiprodukte, könnte für die steirischen Bäuerinnen und Bauern und die genossenschaftlichen Verarbeiter eine Zutrittsmöglichkeit zum japanischen Markt und dementsprechende Wertschöpfung darstellen. Der derzeit mit nur etwas mehr als 3 Kilogramm pro Kopf und Jahr noch nicht sehr hohe Käsekonsum der Japaner steigt nämlich stetig. Immer bedeutender für japanische Konsumenten werden biologische und gentechnikfreie Produktion. Begehrt sind auch die auf traditionsbewusste, kleinstrukturierte Erzeugung im alpinen Raum hinweisenden geschützten Ursprungsbezeichnungen (g.U.). Seit 2011 essen die Japaner mehr Fleisch als Fisch und auch bei Sake und Wein dreht sich dieses Verhältnis zugunsten des Weines. Im Rindfleischbereich werden derzeit zwar aus Österreich hauptsächlich Zungen, Bries und andere Innereien nachgefragt, Schweinefleischlieferungen aus Österreich beliefen sich allerdings bereits 2018 auf 84,8 Tonnen.

Da die Delegation, unter der neben dem Autor mit Johannes Schlederer, dem Chef der Schweinebörse ein zweiter Österreicher anzutreffen war, den Europatag, der am 9. Mai begangen wird, in Tokio verbrachte, stand an diesem Abend auch ein Empfang in der Europäischen Botschaft in Tokio mit einem Treffen des japanischen Landwirtschaftsministers Takamori Yoshikawa auf dem Programm, der besonders auf die Bedeutung der wirtschaftlichen Beziehungen seines Landes mit Europa hinwies.


Autor & Fotos: Markus Habisch

 

Bildtext: Der Initator der Wirtschaftsmission EU-Agrarkommissar Phil Hogan mit dem Chef der österreichischen Schweinebörse und Markus Habisch

Fact Box:
Japan ist ein ostasiatischer Inselstaat mit derzeit etwa 126 Millionen Einwohner. Das Land weist mit mehr als 83 Jahren die höchste Lebenserwartung der Welt auf. Die Einwohnerzahl ist stets rückläufig, es wird erwartet, dass 2050 um 20 Millionen Menschen weniger in Japan leben als derzeit. Der traditionell hohe Fischkonsum wurde in den letzten Jahren allerdings von Fleisch und Fleischprodukten eingeholt.


Weiterführende Infos:
EU-Japan Helpdesk: https://www.eu-japan.eu/epa-helpdesk
WKO-Außenwirtschaftscenter Tokio: https://wko.at/aussenwirtschaft/jp






ALDIS mobile Gewitterkarte für Österreich

IFAJ Homepage